Himmelsbrand (Unearthly #3) von Cynthia Hand (3,3 Sterne)

Ein Kampf zwischen Himmel und Hölle

Das Buch

Clara geht nach Stanford. Zunächst unentschlossen, was sie studieren soll, entscheidet sie sich nach einem Zwischenfall, bei dem sie ihren Engelsglanz benutzt hat, Medizin zu studieren. Neben ihren scheiternden Versuchen über Tucker hinwegzukommen und sich vielleicht einer Beziehung mit Christian zu öffnen, versucht Clara Angela bei ihrer Aufgabe zu helfen. Gleichzeitig hat sie aber mit ihrer eigenen, neuen Vision zu kämpfen, die ihr zunehmend Angst bereitet. Ob Christians Anwesenheit in der Vision ein Trost ist, oder nicht, steht in Frage.

Claras Versuch, ein möglichst normales Studentenleben zu führen, scheitert schlussendlich, wenn sie Angela in ihrer unerwarteten Schwangerschaft unterstützen muss, Jeffrey sich ebenfalls in Kalifornien befindet und sie seiner neuen Freundin absolut nicht trauen kann und zusätzlich ihr Vater auftaucht, um ihr und Christian den Schwertkampf beizubringen. Außerdem landet Clara beim Reisen per Engelsglanz immer wieder in Tuckers Scheune.

Warum ich das Buch gelesen habe

In erster Linie, obwohl ich Liebesdreiecke absolut nicht mag, musste ich weiterlesen um herauszufinden, wie es mit Clara, Tucker und Christian weitergeht. Wählt sie den, der ihre menschliche Seite fördert? Oder den, der ihr bestimmt zu sein scheint?

Ich war außerdem neugierig, wie Angela in den himmlischen Plan passte und warum Clara bei ihrer Aufgabe anwesend sein musste. Des Weiteren musste ich wissen, wie es mit Jeffrey weitergeht, und wie weit und ob überhaupt er sich auf die dunkle Seite schlägt.

Von der Zusammenfassung alleine wollte ich nicht weiterlesen. Einerseits wegen der Ankündigung einer großen Schlacht, und andererseits wegen der Gefahr aus den eigenen Reihen. Ich hatte zwei Verdächtige und eine Befürchtung, wollte aber von keinem, dass es wahr wird.

Die Idee

Mir gefällt die Idee von den Engelsblütern nach wie vor. Die Ausarbeitung der Idee von der Autorin ist sehr detailreich – jetzt wo die älteren Generationen endlich mehr verraten und auch die jüngeren schon mehr wissen. In diesem Band sollen nun endlich alle Stränge zusammenkommen: Wie spielen die eingeführten Engelsblüter Clara, Christian, Angela und Jeffrey in ihren Aufgaben zusammen? Ganz besonders wichtig: Worauf wurde Angela seit ihrem achten Lebensjahr vorbereitet? Warum fühlen Clara und Christian sich zusammen am Stärksten? Warum musste Jeffrey durch diese dunkle Phase gehen? Und hätte er Tucker aus dem Feuer retten müssen?

Laut Buchcover muss es im Finale zum großen Kampf zwischen Gut und Böse kommen, die Schwarzflügel werden zu mächtig und wollen über die Menschen herrschen. Die Engelsblüter müssen zusammenhalten und kämpfen. Das ist ein großer Plan, den die Autorin hier anstrebt.

Die Charaktere

Es wird mehr und mehr klar, dass Clara sich in ihrer Rolle als Engelsblut, ganz besonders eines Triplar, nicht wohl fühlt. Aus diesem Grund wirft sie sich zu Beginn dieses Buchs in die Vorstellung, ein ganz normaler Erstsemester an der Universität zu sein. Sie versucht ihre Visionen zu ignorieren, und ihre Kräfte nur zur Inspirationen ihrer irdischen Zukunft zu nutzen: Ärztin zu werden und den Glanz zur Heilung zu verwenden.
Mir gefiel Claras Wandel von einem Teenager im vorigen Buch zu einer jungen Erwachsenen, die auf sich selbst gestellt ist. Zwar hat sie immer noch Billy, Christian und Angela, denen sie sich anvertrauen kann, aber sie ist auch selbst viel stärker geworden. Das zeigt sich vor allem darin, wie sie die Zeit auf der Flucht meistert, auch wenn hierfür nur sehr wenige Seiten verwendet werden.
Das einzige, was mich wirklich an ihr aufregt, ist ihr hin und her zwischen den beiden Jungs. Es fällt ihr schwer, auf ihr Herz zu hören und zu vertrauen, wenn es so viele störende und himmlische Einflüsse gibt.

Tucker:

Ich verfluche mein dummes Herz, weil es solche Sprünge macht, als ich ihn da stehen sehe, in weißem T-Shirt und Jeans mit Löchern, mit einem Korb voll grüner Äpfel, einer Zitrone, einem Päckchen Butter und einer Packung weißem Zucker.
[…]
Aber ich muss jetzt stark sein. Ich darf nicht vergessen, weshalb wir uns getrennt haben: damit er ein normales Leben führen kann…

Christian:

„Du solltest mit ihm gehen und so“, sagt Jeffrey. „Er ist dein Seelenfreund. Was gibt es da noch rauszufinden?“
Ich verschlucke mich fast an meinem Orangensaft. „Mein Seelenfreund?“
„Klar. Deine andere Hälfte, dein Schicksal, der Mensch, der dich vervollständigt.“

Über Christian ist mir im Laufe dieses Buchs etwas bewusst geworden. Selbst jetzt, da er eine feste Freundschaft mit Clara geschlossen hat, und sie ihn als ihren besten Freund bezeichnet, weiß der Leser kaum etwas über ihn. Dass er Clara gegenüber einen Beschützerinstinkt hat, ist alles, was über seine Gefühlswelt bekannt ist. Denn obwohl er Clara versichert, dass er sie liebt, ist er viel zu distanziert, als dass man komplett davon überzeugt sein könnte. Alleine die Art, wie er erklärt, dass er sich für sie entschieden hat, zeugt davon, dass er sich ebenso schnell wieder für jemand anderes entscheiden könnte.
Davon abgesehen, bleibt Christian seiner himmlischen Aufgabe stets und strikt treu. Er folgt und beschützt Clara und er nimmt seinen Part im Kampf ein. Ich habe mich sehr für ihn gefreut, dass er am Ende wieder Teil einer Familie war, nachdem er auch noch seinen Onkel verloren hat.
Obwohl nichts über seine Gefühle bekannt wird, bin ich davon überzeugt, dass seine emotionale Lage am tiefgreifendsten ist und dass er sich die meiste Zeit hinter einer Maske verbirgt, um das Richtige zu tun: das, was von ihm erwartet wird.

Angela übernimmt tatsächlich so etwas wie die Hauptrolle in diesem Band. Seit Beginn der Geschichte war ich mir nicht vollkommen sicher, ob sie auf der Seite des Guten stand, und wie viel Einfluss ihr Vater auf ihr Leben haben würde. Sie war unter meinen Verdächtigen, dass Gefahr aus den eigenen Reihen droht.
Angelas Rolle in diesem Buch ist überraschend, aber ihre Entwicklung sehe ich nicht als allzu weitreichend. Von Beginn an war sie die Anführerin der kleinen Truppe, die die viel recherchierte, und ein bisschen nervte, weil sie alles von jedem wissen musste. Aber sie hatte auch einige Geheimnisse. Phen zum Beispiel, der einen großen, hintergründischen Anteil an der Entwicklung der Geschichte hat.
Ihre Stärke, die sie selbst nicht einzuschätzen wusste, ist wegweisend und beispielhaft.

Jeffreys Charakter habe ich über die gesamten Bücher hinweg am angeregtesten verfolgt. Nachdem er im zweiten Band den Verdacht bestätigt hat, dass er selbst den Waldbrand gelegt hat und Tucker aber trotzdem retten sollte, verschwindet er vorübergehend von der Bildfläche. Teilweise unwissentlich wird er in seinem Exil weiter von der Seite des Bösen verführt und benutzt. Ich fand, dass er zum Ende der Geschichte etwas zu kurz gekommen ist, mehr noch, als in den Bändern zuvor. Er hätte mehr Stimme verdient.

Tucker, so erscheint es zu Beginn, wird in diesem Buch kaum auftauchen. Er ist noch in Jackson Hole, während Clara in Stanford ist. Trotzdem ist er stets präsent, in ihren Tag- und Nachtträumen, aber auch wenn sie ausversehen in seiner Scheune landet und er es mitbekommt. Verständlicherweise ist er zunächst nicht angetan davon, Clara plötzlich erscheinen zu sehen, aber die beiden schließen schließlich eine Art Waffenstillstand.
Er wird doch, unerwarteterweise, in das Finale miteinbezogen. Sein Schicksal, so stellt sich heraus, ist größer als nur Claras Verbindung zur Menschheit zu sein.
Während ich seinen Charakter wirklich mag, fehlte mir die Entwicklung über die Bücher, und als sie am Schluss endlich kam, wurde nichts mehr dazu gesagt. Ich bin nicht vollkommen überzeugt davon, dass er der Richtige für Clara ist, auch wenn er es zu glauben scheint, und sie davon überzeugen will. Auch in Anbetracht des Schlusses – den ich nicht ganz ernst nehmen kann.

Umsetzung und Schreibstil

Meine Ängste das Buch betreffend wurden allesamt nicht getroffen. Das liegt daran, dass es, meiner Einschätzung nach, weder einen Krieg zwischen Himmel und Hölle gab, noch eine der Hauptpersonen wirklich auf die Seite des Dunklen gewechselt ist und dadurch Gefahr von ihr drohte. Und damit wurden auch meine Erwartungen an das Buch nicht erfüllt. Was mir in den ersten beiden Bände so gut gefallen hat, sowohl Idee als auch Umsetzung, konnte hier nicht weitergeführt werden. Es scheint fast so, als hätte die Autorin sich zu viel vorgenommen, oder es falsch vermarktet.

Ich möchte nicht sagen, dass es deswegen eine schlechte Geschichte ist. Tatsächlich hat mir das Lesen sehr viel Spaß gemacht und ich bin an den letzten Seiten so sehr gehangen, wie bei den vorherigen Bänden. Ich habe nur einfach nicht das bekommen, was mir versprochen worden ist.

Claras Einführung in das Studentenleben mochte ich, ebenso die Darstellung des Campus und der Unternehmungen. Ihren Widerwillen gegen ihre große Bestimmung, das Engelsdasein, und die mögliche Notwendigkeit mit Schwertern zu kämpfen, konnte ich allesamt nachvollziehen. Die Beschreibungen des Reisens mit dem himmlischen Glanz durch Raum, und auch durch Zeit, ebenso wie die Herstellung von Gegenständen damit, war detailreich und inspiriert. Der Schreibstil war immer noch angenehm, leicht zu folgen, aber nicht aufdringlich ausführlich, gut artikuliert. Es muss einen kleinen Abzug für die Übersetzung geben, die so sehr mit dem vorigen Band kontrastierte – obwohl es dieselbe Übersetzerin war – dass der Lesefluss und die Lesefreude gemindert wurde.

Mein liebster Augenblick im Buch war der Moment, in dem Clara und Christian mit dem kleinen Weston fliehen. Eine solche Szene war so unerwartet, dass ich zunächst nicht glauben konnte, dass sie es wirklich durchziehen würden. Am Ende ist es auch keine große Sache, zumindest was Seitenzahlen und Lösungsvorschläge der Erwachsenen angeht. Aber alleine die Idee, die drei wie eine Kleinfamilie durch das Land ziehen zu lassen, war mein persönliches Highlight.

Erleichtert senkt Christian einen kurzen Moment den Kopf, dann greift er unter seinen Sitz und zieht einen verblichenen Straßenatlas hervor…
„Mach die Augen zu und tipp mit dem Finger auf irgendeine Stelle“, verlangt er. „Dahin werden wir dann fahren.“

Die größte Überraschung des Buchs war wohl Angelas Nebengeschichte, denn mit Schwangerschaft hab ich bei ihr am wenigsten gerechnet. Das zieht allerdings auch meinen Unmut das Buch betreffend mit sich. Durch das Baby wird Angela zu einem zentralen Teil des himmlischen Plans – der meiner Meinung nach wenig himmlisch war. Denn warum sollte der Himmel seine Wesen in diese Richtung lenken? Das verstehe ich nicht. Durch das Befolgen der Visionen hatten Clara, Christian und Angela sich, alles in allem und im Prinzip, ihr Abenteuer also selbst zuzuschreiben. Angelas erste Vision mit acht Jahren führte sie dazu, alles über Engel zu recherchieren. Deshalb hat sie Phen kennen gelernt und sich in ihn verliebt. Und schließlich, als ihre Vision Realität wird, sagt sie ihm, dass sie ein Kind von ihm bekommt. Weil er aber unentschlossen ist, und sich von dem Bösen befehligen lässt, kommt die Hölle ins Spiel. Und weil sie es alleine nicht schaffen kann herauszukommen, musste Jeffrey mit hineingezogen werden, der Clara mit sich zieht, die Christian mit sich zieht.

Es fällt mir schwer, einen überzeugende Begründung zu finden, die mir erklärt, warum es wert war, darüber ein Buch zu schreiben. Irrungen und Wirrungen für nichts.

Oder…


[SPOILER]

Musste das alles vielleicht nur geschehen, damit Tucker sterben und ein himmlisches Wesen werden konnte? Denn das ist doch das einzige, was sich am Schluss wirklich verändert hat – es gab keinen richtigen Kampf zwischen Gut und Böse, bei dem die eine Seite hätte triumphieren können; und es gab auch keine Hinweise dafür, dass die Schwarzflügel die Menschheit überwältigen wollte – wie der Buchdeckel behauptete.

Also war das alles nur, damit Tucker Prophet wird.

Mit dieser Entwicklung habe ich wohl die größten Probleme in diesem Buch. Ich hatte es wirklich akzeptiert, sobald Tucker fiel. Er wird sterben, Clara wird oder wird auch nicht, mit Christian ihre 120 Jahre vollmachen, das Leben geht weiter. Und dann waren Clara und Tucker plötzlich im Himmel, küssen sich, und im nächsten Moment hat sie ihn wiederbelebt und er hat jetzt auch eine längere Lebensspanne und zudem himmlischen Visionen.

Folglich mochte ich das Ende nicht. Es war hingeschustert. Ganz viel Drama, aber trotzdem das ultimative, himmlische Happy End – außer für Christian. Für mich hat es nicht funktioniert. Und der Zusammenhang zwischen dem Rest der Reihe und dem Schluss ist sehr weit hergeholt und von mir theoretisiert.

Wenn es allerdings nicht von Anfang an um Tucker ging, um was dann? Es war alles so aufgebauscht, aber am Ende war es kein essentieller Kampf zwischen Himmel und Hölle, sondern ein kleiner Racheakt zwischen zwei Familien.


Nach dem Lesen

Unentschlossen. Selbst jetzt, einige Tage nachdem ich das Buch gelesen habe, weiß ich noch nicht, was ich darüber denken soll. Einerseits war ich erleichtert, dass ich keine große Schlacht bekommen habe. Andererseits hat mich das Ende so verwirrt, dass ich immer noch nicht weiß, was ich daraus machen soll.

Es ist, als würde noch mindestens ein Buch folgen müssen. Aber die Autorin sagt, dass nichts mehr kommt.

Bewertung

Idee: 3 Sterne
Charaktere: 5 Sterne
Umsetzung: 2 Sterne
Schreibstil: 4 Sterne
Allgemeine Bewertung: 3 Sterne
Persönliche Bewertung: 3 Sterne

Zitat

Das Glück halten wir oft für etwas, das wir uns nehmen können. Doch normalerweise empfinden wir dann Glück, wenn wir zufrieden sind mit dem, was wir haben, und uns selbst akzeptieren.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s