Das letzte Einhorn und Zwei Herzen (Das letzte Einhorn #1 – #1,5) von Peter S. Beagle (3,3 Sterne)

Der beste Fluch des besten Fachmanns, ob gezischt oder gekrächzt oder gedonnert, hat keine Wirkung auf ein reines Herz.

Das Buch

Die Geschichte, Das letzte Einhorn, beginnt mit der Perspektive des Einhorns, das zwei Jäger belauscht, die sich darüber unterhalten, ob es wohl noch Einhörner in dieser Welt gäbe. Sie einigen sich darauf, dass diese lange verschwunden sind. Das Einhorn beschließt also, seinen heimischen, immergrünen Wald zu verlassen und sich auf die Suche nach seinen Artgenossen zu machen.

Auf seiner Reise begegnet es vielen schlechten, aber nur sehr wenigen guten Menschen, und keiner von ihnen erkennt das Einhorn als das, was es wirklich ist. Aus der Gefangenschaft eines Mitternachtszirkuses wird es von dem Zauberer Schmendrick befreit, und zusammen begegnen sie der Band von Captain Cully, aus deren Mitte sie mit Molly Grue weiterziehen. Sie begeben sich gemeinsam auf den Weg zum König Haggard, vor dessen Roten Stier sich alle Einhörner fürchten.

Zwei Herzen spielt ein gutes halbes Jahrhundert nach den Geschehnissen. Ein junges Mädchen, Sooz, steht im Mittelpunkt der Erzählung. Ihr Heimatort wird von einem Greif heimgesucht und sie reißt aus, um beim König vorzusprechen. Auf ihrer Reise trifft sie auf den Zauberer Schmendrick und Molly Grue, die sie zum Schloss des König Lír begleiten.

Warum ich das Buch gelesen habe

Das Buch fand ich in der Fantasy-Abteilung meiner örtlichen Bibliothek. Ich erinnere mich entfernt, dass ich den Film als Kind gesehen habe, konnte mich aber nicht mehr genau daran erinnern. Mir war aber bewusst, dass es eines der großen Fantasy-Werke unserer Zeit ist.

Außerdem: Alle lieben Einhörner.

Die Idee

Die Idee, das letzte Wesen einer Rasse zu sein, ist nicht sehr originell – zumindest heutzutage. Stammen all diese Geschichten vielleicht von dieser ab? Die Ausarbeitung, wie genau es zu dem Verschwinden der Einhörner kommen konnte, und wo sie gehalten wurden, ist so fantasiereich, wie es bildlich wunderschön ist.

Charaktere

Aber sie erkennen mich ja nicht einmal, sie sehen mich an und sehen etwas ganz anderes! Wie mögen sie dann erst füreinander aussehen? Wie sehen dann wohl Bäume in ihren Augen aus, oder Häuser, oder wirkliche Pferde, und wie ihre Kinder?

Das Einhorn findet heraus, dass es das letzte seiner Art zu sein scheint. Es kann sich mit dem Gedanken nicht abfinden und verlässt die traute Heimat um herauszufinden, was passiert und ob seine Art noch zu retten war. Das Einhorn ist/erscheint weltfremd und naiv und, besonders nach seiner Verwandlung in einen Menschen, die Lady Amalthea, ist es wenig einfühlsam und emotionslos. Obwohl es ein reines Wesen ist, das nur von andere reinen Wesen berührt werden kann, fehlte mir eine gewisse Güte zusätzlich zu seiner Magie. (Dieses Fehlen stellte sich als Menschlichkeit heraus, die es während seiner Verwandlung gewinnt, später nicht mehr verliert, und fortan mit sich trägt und deswegen leiden muss.)

Schmendrick, der Zauberer, ist ein liebenswerter Tollpatsch, der zu ungeschickt für mehr als Jahrmarktsmagie ist. Allerdings wurde er von einem großen Magier gelehrt und wenn er es zulässt, kann er sehr intelligent und weltgewandt sein. Er ist auf der Suche nach seinen richtigen Kräften und erwartet, sie in Begleitung des Einhorns zu finden. Er entwickelt sich zu einem mutigen, selbstsicheren, aufopfernden, großen Zauberer, der um das größere Gut bemüht ist.

Molly Grue ist mir bis zum Schluss ein großes Rätsel geblieben. Als Mitglied von Captain Cullys Bande war sie eine Gesetzlose. Sie ist grob und frei heraus, aber trotzdem scheint sie der reinste Mensch zu sein. Sie hat wenige Momente, in denen sie mütterlich, liebevoll und unterstützend ist. Sie ist ein wundervoller Charakter, der aber leider einfach nur da ist, ohne eine größere Rolle im Hauptgeschehen zu haben.

Prinz Lír ist der adoptierte Sohn des König Haggard. Er wurde unter einem großen Schicksalsstern geboren, von dem er allerdings erst kurz vor der Ausführung steht. Er ist nicht der grausame Herrscher, den sein Vater sich wünschen würde. Lír verliebt sich auf den ersten Blick in die Lady Amalthea und nur durch ihre Verbindung ist er stark genug, sein Schicksal zu erfüllen. Der Prinz verändert sich grundlegend, sobald er dem Einhorn in Menschengestalt begegnet. Unter seinen Augen wird er zu einem der größten Helden und besten Könige.

Sooz ist das neun-, fast zehnjährige Mädchen, aus dessen Sicht die Fortsetzung geschrieben ist. Sie ist entscheidungskräftig und steht für ihre Meinung ein. Sie ist mutig, treu und hat definitiv das Glück auf ihrer Seite. Ihre Geschichte lässt auf eine Verlängerung hoffen, denn, obwohl sie aus einem kleinen Ort stammt, ist sie zu Großem bestimmt.

Umsetzung und Schreibstil

Der Schreibstil war mir manchmal ein bisschen zu wechselhaft. Während ich es zweifellos gut fand, dass jeder Charakter seinen eigenen Stil bekommen hat, selbst wenn aus seiner Perspektive gesprochen wurde, und die bildlichen und onomatopoetischen Darstellungen und Beschreibungen großartig waren, auch wenn die sich gegen Ende leider komplett verloren, so war mir der Wechsel zwischen höfisch-poetischem und naiv-umgangssprachlichem Stil zu unübersichtlich. Mir war nie bewusst, warum plötzlich ein anderes Register gezogen wurde. Vielleicht lag es an der Übersetzung, die mir auch teilweise unregelmäßig vorkam. Der zweite Teil war etwas besser arrangiert, aber auch hier waren zu viele kleinere als auch Rechtschreib-Fehler unterwegs.

Die Geschichte selbst fand ich fabelhaft fantasiereich – so sehr, tatsächlich, dass es meine Vorstellung etwas überstieg. Das ist Kritik an mir, nicht an der Geschichte! Allerdings möchte ich auch nicht ausschließen, dass vieles hätte besser erklärt werden können, dass mir dann das Fantastische zu verstehen erleichtert hätte. Beispielsweise hatte ich zu lange kein Zeitgefühl über das Verschwinden der Einhörner, und hatte mich auf eine viel längere Zeitspanne eingestellt, als die 50 Jahre, die es letztendlich waren. Auch wusste ich nie, wie ich die menschliche Entwicklung dieser alternativen Welt einschätzen sollte, inwieweit sie der Moderne (dachte ich zunächst) oder dem Mittelalter (erschien gegen Ende wahrscheinlicher) glich. Oder war das in jedem Landesabschnitt und Königreich anders? Ich kann nicht einschätzen, ob mir die Fantasie fehlt, oder ich mir zu viele Gedanken mache.

Ich möchte besonders des Einhorns Begegnung mit dem Schmetterling hervorheben, die mir besonders gefallen hat, und die mich zum Nachdenken anregte, mich schmunzeln ließ, und mich auf mehr neugierig machte. Wegen mir hätte es noch vielen weiteren Schmetterlingen begegnen können, denn dies war definitiv eine der besseren Szenen!

Das Ende hat mir gut gefallen. Auch wenn es mir schien, als hätten sich die Charaktere zu wenig untereinander abgesprochen mit dem, was sie wussten über das, was geschehen musste, und Prinz Lír vor allem ein wenig zu emotional und zu wenig heldenhaft reagiert hat, entsprach das Ende genau meinen Vorstellungen. Jeder wichtige Charakter überlebte, es gab Magie, aber auch Menschlichkeit, und die Ordnung des Guten ist gegen Ende wieder hergestellt. Vor allem schön ist, dass Molly und Schmendrick am Ende zusammenbleiben und weiterziehen, obwohl es am Anfang so schien, als würden sie sich nie miteinander anfreunden können. Allerdings hätte ich die Geschichte gerne beendet, wie sie begonnen hat – aus der Sicht des Einhorns.

Die Menschen brauchen Helden, die sie aus ihren Nöten befreien oder sie diese vergessen lassen. Doch kein Mensch kann je so groß sein, wie das Verlangen nach ihm ist, und so bildet sich, um ein Korn Wahrheit herum, eine Legende…

Zwei Herzen war anders als Das letzte Einhorn. Der Sprachstil war anders, teilweise sogar fortgeschrittener als der erste Teil, obwohl aus der Sicht eines Kindes erzählt wird. Die Beschreibungen sind natürlicher, wie gegen Ende des ersten Teils, weniger wie zu Beginn. Es ist angenehm zu lesen.

Sooz war eine tolle Erzählerin. Ich glaube, mir hat ihre Geschichte sogar besser gefallen, wie die des Einhorns. Es war aber auch gut zu sehen, wie es später für die alten Bekannten weiterging. Es war ungefähr so, wie ich es mir vorgestellt habe. König Lír konnte nicht glücklich werden nur die Erinnerung an das Einhorn zu haben. Molly und Schmendrick reisen zusammen und… sind zusammen? Das war mir nicht ganz klar. Und ihr altern ist verlangsamt? Molly war schon im ersten Teil eine ältere Frau, und das ist sie jetzt immer noch, während Lír von jung zu alt gegangen ist?

Aber es ist Sooz Geschichte und sie ist die ultimative Heldin, von deren Leben ich gerne noch viel mehr erfahren würde. Vor allem: Was wird an ihrem siebzehnten Geburtstag passieren? Warum siebzehn?

Was mich allerdings auch interessieren würde: Wer regiert das Land nach des Königs Tod. So wie ich es verstanden habe, gab es keine Nachfahren. Die Geschichte hat eindeutig zu früh aufgehört! Aber sie war schön und heldenhaft.

Nach dem Lesen

Zufrieden. Schönes Märchen, schöne Fantasy-Geschichte. Genau richtig.

Bewertung

Idee: 4 Sterne
Charaktere: 3 Sterne
Umsetzung: 3 Sterne
Schreibstil: 3 Sterne
Allgemeine Bewertung: 4 Sterne
Persönliche Bewertung: 3 Sterne

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