Das Narrenschiff von Sebastian Brant (3,6 Sterne)

Das Buch

Im Jahr 1494 hat Sebastian Brant eine Sammlung von Kapiteln veröffentlicht, die eine davon Auflistung geben, welche menschlichen Fehler auf ein Narrendasein schließen lassen. Dabei war er so erfolgreich, dass er Material für 112 Kapitel (wobei 110 in der zweiten Auflage noch um 110a und 110b erweitert wurde) eingesammelt hat, also 112 Gründe, die beweisen, dass der Mensch ein Narr ist.

Warum ich das Buch gelesen habe

Ich weiß nur noch, dass ich irgendwo eine Referenz zu dem Titel gesehen habe, dachte, dass es sehr interessant klingt und mir dann das ebook heruntergeladen – kostenlos auf Amazon. Es musste sich dann noch eine Weile hintenanstellen, aber schließlich hatte ich Zeit dafür.

Die Idee

Dem Menschen seine eigene Dummheit predigen – gibt es etwas besseres? Allerdings hätte ich nie erwartet, dass man so viele Gründe finden könnte, und es ist anzunehmen, dass es nicht einmal alle waren, selbst zu Zeiten Brants. Natürlich habe ich manchmal den Kopf geschüttelt, ob es nun wegen unzeitgemäßer (heutzutage) Kommentare war, oder auch weil er sich gelegentlich wiederholte, aber der Ansatz war generell sehr individuell. Allerdings nicht originell, denn selbst mit meinen geringen Kenntnissen der Literatur und Traditionen dieser Zeit, und auch meinem begrenzten Bibelwissen, konnte ich sehen, wo viele seiner Kapitelinspirationen herkamen. Da waren Anlehnungen an die Bibel, hauptsächlich griechische, aber auch andere Mythologien, Dantes Göttliche Komödie, besonders dem ersten Teil der Hölle.

Umsetzung und Schreibstil

Zu meiner Erleichterung muss ich sagen, dass meine Ausgabe eine moderne Übersetzung war. Mit den gelegentlich zum Vergleich gezeigten Originalstellen wäre ich maßlos überfordert gewesen. Zweifelsohne aber war es eine gute Übersetzung.

Etwas Kritik ausüben müsste ich an der Verteilung der Fußnoten. Teilweise waren Anmerkungen zu oft wiederholt, obwohl sie bereits nach dem ersten mal Sinn machten – und besonders den Gelehrteren unter den Lesern keine Probleme hätten machen sollen (zum Beispiel wurde bei jeder Erwähnung angemerkt, dass Kunst eigentlich für die Wissenschaft steht). Andererseits wurden andere Bezeichnungen, beispielsweise altertümliche Berufe (nehme ich an) überhaupt nicht weiter erklärt.

Genauso ließen sich bei der Erklärung der mythologischen Referenzen, oder die des Allgemeinwissens Unregelmäßigkeiten erkennen. Nicht nur vom Autor, der seine Beispiele sehr willkürlich verteilt einsetzte, sondern auch in der Wichtigkeit, die der Übersetzer ihnen zukommen ließ, nämlich diese weiter zu erklären, oder eben nicht.

Aber dies waren nur Kleinigkeiten, die nur alle paar Kapitel und Referenzen auffielen, das größere Verständnis und den Lesefluss allerdings nicht gestört haben. Ich hatte sogar eine große Freude daran, zu versuchen so viel wie möglich selbst zu entschlüsseln.

Das Buch hat sich schnell als eines herausgestellt, dass ich nicht in einem Rutsch durchlesen wollte. Tatsächlich hat es sich über mehrere Monate gezogen und ich habe pro Tag – je nach Länge dessen – ein oder zwei Kapitel gelesen. Das war genug. Trotzdem konnte ich über diese Zeit eine Veränderung im Schreibstil entdecken, die mich amüsiert hat. Die Wiedergabe der Narrheiten waren über mehrere Kapitel sehr ähnlich, aber immer wieder kam ein Stilzug dazu und ein anderer ging verloren, sodass über mehrere Kapitel ein eindeutiger Unterschied im Schreibstil zu entdecken war. Auch hier machte ich mir einen Spaß daraus, die Unterschiede zu entdecken. Ich störte mich allerdings nicht daran. Ich denke sogar, dadurch, dass es so viele Kapitel waren, waren die Änderungen in der Erzählweise eine sehr willkommene Abwechslung.

Nach dem Lesen

Ich bin ein Narr.

Bewertung

Idee: 4 Sterne
Umsetzung: 3 Sterne
Schreibstil: 4 Sterne
Allgemeine Bewertung: 4 Sterne
Persönliche Bewertung: 3 Sterne

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