Eighteen Moons – Eine grenzenlose Liebe (Caster Chronicles #3) von Kami Garcia & Margaret Stohl (3,8 Sterne)

„Am ersten Tag entstand die Dunkle Materie. Am zweiten Tag der Abgrund, aus dem am dritten Tag das Dunkle Feuer aufstieg. Am vierten Tag wurde aus Rauch und Flammen alle Kraft geboren … Am fünften Tag erwuchs aus der Asche die Lilum, die Königin der Dämonen. Und am sechsten Tag entstand die Ordnung, um die Kraft, die keine Grenzen kennt, im Gleichgewicht zu halten … Am siebten Tag jedoch war das Buch.“

Das Buch

Ethan und Lena sind wieder zusammen und ihre Beziehung ist stärker denn je. Gleichzeitig steht die Welt vor einer Katastrophe, denn Lenas Berufung hat die Ordnung der Dinge durcheinander gebracht. Nicht nur spielen die Kräfte aller Caster verrückt, auch wird Gatlin von einer Hitzewelle geplagt und die gläubige Gemeinde bereitet sich nach dem Einfall von Heuschrecken auf das Ende aller Tage vor.

Gleichzeitig wird Ethan von Träumen geplagt, die ihm seinen Tod ankündigen und er hat das Gefühl, verfolgt zu werden. Über mehrere Monate merkt er, wie er sich verändert, aber Amma, die einzige, seine Veränderungen ebenfalls feststellt, weigert sich ihm zu sagen, was vor sich geht.

Und dann ist da noch dieser unheilvolle Satz, der immer wiederkehrt:

Das Rad des Schicksals zermalmt uns alle.

Warum ich das Buch gelesen habe

Während ich beim Lesen des vorigen Bands kurz davor war, mit dieser Serie abzuschließen, habe ich mich diesem wieder voller Begeisterung zugewandt. Lenas Entscheidung muss Konsequenzen haben, Link wurde in einen Inkubus verwandelt, Ridley hält John Breed in ihrem Zimmer versteckt und Ethan hat akzeptiert, dass er der Lotse ist. Hier kann die Geschichte noch nicht zu Ende sein, und deswegen muss ich, muss ich, muss ich weiterlesen!

Die Idee

Vorerst scheint es, als würde es um die Konsequenzen von Lenas Berufung am siebzehnten Mond gehen, aber gleichzeitig geht es auch noch um eine andere Entscheidung, die sie getroffen hat, zu einem früheren Zeitpunkt, an ihrem sechzehnten Mond: Ethan von den Toden zurückzubringen. Bisher sind sie davon ausgegangen, dass Macons Tod die einzige Konsequenz dessen war, aber einen Toten zurück unter die Lebenden zu bringen, ist komplizierter als ein Handel mit dem Buch des Mondes.

Neben Sarafine und Abraham kommt in diesem Band außerdem noch ein weiterer Gegner dazu: der Rat der Hohen Wacht. Außerdem wird das Schicksal durch die Lilum personifiziert und es ist ungewiss, ob sie, wie vorerst angenommen, Böse ist, oder tatsächlich als Mutter aller Dinge, neutral. Ein interessanter Ansatz.

Charaktere

Von Ethan war ich in diesem Buch dahingehend enttäuscht, dass er offensichtlich nichts von dem, was im zweiten Band geschehen war, gelernt hat. Damals hat Lena nicht mit ihm über das reden wollen, was sie wirklich bedrückte, um ihn zu schützen. Nun tut er genau dasselbe. Auch wenn sie nach den bisherigen Geschehnissen mit viel fertig werden muss, ist das keine Entschuldigung ihr vorzuenthalten, dass sein Körper sich einer kompletten Veränderung zu unterziehen scheint. Das ist nicht die Charakterentwicklung, die ich gerne sehen möchte.
Außerdem ist er zu sehr auf sein direktes Leben fokussiert und unterschlägt dabei weitläufigeres, wie er es im ersten Band wiedergegeben hat. Ich hätte gerne einen klareren Blick auf die anderen Charaktere von ihm bekommen, aber es scheint, als würde er manche über mehrere Tage oder auch Wochen komplett aus seinem Leben schneiden – und das, obwohl sie ihm in seiner gegenwärtigen Lage wahrscheinlich helfen könnten. Teilweise hat er ein wenig die Übersicht verloren.

Lena hat mir in diesem Band sehr gut gefallen. Obwohl sie sich natürlich für ihr Verhalten schämt, lässt sie sich davon nicht beeinflussen, ihr Leben zu leben.

Link ist in diesem Band weiterhin der beste Freund, den man sich wünschen kann. Auch wenn er nun eindeutig ein aktiver Teil der Gruppe ist, denn auch er hat Verbindungen zum Übernatürlichen, ist er selbstlos zu helfen und der wahre, stille Held der Geschichte.

Ridley war wahrscheinlich der Charakter, von dem ich mir in diesem Band am meisten zu erfahren erhofft hatte. Was für eine Person ist sie ohne goldene Caster-Augen und die Kräfte einer Sirene? Wie findet sie sich in die Welt der Sterblichen ein? Und, immer wichtig, was wird aus ihr und Link? Zu guter Letzt aber war der wahre Grund für mein Interesse das kleine Kapitel in ihrem Namen am Ende des letzten Bandes. Was konnte sie sich davon versprechen, John Breed aus dem Bogenlicht zu befreien? Ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte war wenig überraschend und zufriedenstellend.

Ich war mir unsicher, ob Liv in diesem Band überhaupt in Erscheinung treten würde, nachdem Ethan sich Lena zuliebe von ihr fernhielt. Die Freundschaft zwischen ihr und Ethan fand ich schwer zu deuten. Wie stark genau waren seine Gefühle für sie? Und hatte sie mehr als nur eine Faszination für seine Abenteuerlust? Ich hätte mir mehr von ihr gewünscht, als sie dann endlich erschien, als nur die Erwähnung, dass sie Bücher gewälzt hatte. Sie hätte einen Moment verdient, in dem sie mehr als nur neunmalklug erschien, sondern eine richtig große Bombe platzen ließ.

Ich bin tatsächlich ratlos, was ich über John Breed denken soll. Er ist so ein interessanter Charakter, den man einfach nicht verstehen kann. Einerseits natürlich weil er kaum erscheint und andererseits weil er selbst zu wenig weiß – oder mitteilt. Mein Gefühl misstraut ihm, aber nur dann, wenn er gerade nicht in der Nähe von Liv ist. Ich möchte einen Blick in seine Vergangenheit und in seinen Kopf!

Amma ist wirklich tief ins Dunkle gereist. Noch tiefer, als nachdem sie Ethan von den Toden zurückgebracht hat und es ihm nicht sagen konnte. Denn dieses Mal ist sie noch mehr mit den Konsequenzen konfrontiert. Natürlich aber weiß der Leser das nicht und fragt sich, warum sie ihren Jungen so sehr im Stich lässt. Ist ihm wirklich damit geholfen, ihn im Dunklen zu lassen, wenn er die Veränderungen doch selbst bemerkt? Andererseits ist sie so ein faszinierender Charakter. Der Respekt den beide Ethan und Mitchell, aber auch alle Einwohner Gatlins, ihr gegenüber haben, ist unglaublich, wenn man ihre Größe und Statur bedenkt. Ich würde ihr so gerne mal begegnen, nur im ihre Personalität zu erleben.

Umsetzung und Schreibstil

So ziemlich das erste, was mir in diesem Band aufgefallen ist, war der andere Ton der Übersetzung. Tatsächlich habe ich nachgeschaut, ob es von derselben Dame übersetzt wurde. Oder vielleicht liegt es gar nicht an ihr, sondern der Originalton war anders, und sie hat sich nur angepasst? Unabhängig davon, was der Grund war, es hat mir nicht gefallen, sondern ist mir störend vorgekommen.

Als nächstes ist mir aufgefallen, wie sehr Ethan es mag, sich zu wiederholen. Nun, das wusste ich eigentlich schon, aber in diesem Band hatte er leider keine allzu große Bandbreite an Worten. Natürlich durfte der Leser das Dasein der Heuschrecken und die Tatsache der Hitzewelle nicht vergessen, aber teilweise schien es nur deswegen erwähnt zu sein – dass es eben erwähnt war – anstatt dass er es wirklich fühlte.

Die Erzählung hat sich dabei zu sehr auf diese Wiederholungen und Ethans unmittelbares Interesse konzentriert und dabei den Blick auf das Große und Ganze verloren. Im ersten Band hat er immer ganz Gatlin in Betracht gezogen, analysiert und das kommentiert. Im zweiten Band habe ich es ihm verziehen, dass er das große Bild aus den Augen verlor. Aber in diesem Band hätte er wieder darauf zurückkommen sollen. Es passierte so viel, was alle Bürger des Ortes betraf, und hier war so viel Spielraum für die Kleinstadtanekdoten, die ich im ersten Band so zu lieben gelernt habe, die allerdings nicht kamen. Die ein- oder zweimal, die er sich auf die Stadt konzentriert hat, beispielsweise als er Mrs Lincoln und ihre Anhänger vor der Kirche beobachtet, erschien es beinahe gezwungen und er hat sich selbst in einem zu großen Abstand zu den Geschehnissen gehalten. Ich fand es schade, wie sehr er sich tatsächlich von den Leuten, um die herum er aufgewachsen ist, distanziert hat, um voll und ganz der Welt der Caster beizutreten. Er hat dadurch eindeutig einen Teil von sich und seinem früheren Charme verloren.

Neben diesen kleinen Nervigkeiten hatte ich aber auch stellenweise ein Problem damit, mit Ethan mitzuhalten. An diesem Punkt bin ich mir nicht sicher, ob es tatsächlich ein Kritikpunkt ist, oder ob es erzählerische Brillanz war. Es fiel mir schon sehr früh in diesem Band schwer, Ethans Gedankengängen zu folgen. Er hatte manchmal Ansätze oder Gedankensprünge oder Zusatzinformationen, die sich nicht mit meinem Lesen vereinbaren ließen. Das verschlimmerte sich im Laufe des Buchs, gleichzeitig wie sich auch Ethans Zustand verschlimmerte. Deswegen bin ich mir unsicher, ob es tatsächlich an der Erzählweise liegt. Vielleicht sind es die verwirrenden Träume und Ethans Problem so viele Dinge zu vergessen der Grund dafür, dass ich seiner Erzählung nicht mehr folgen kann. Und vielleicht musste er auch deswegen alles Schlimme, was er im vergangenen Jahr erlebt hat, immer und immer wieder erzählen und wiederkäuen, er hat einfach vergessen, dass er es – zwar in anderen Worten, aber trotzdem – bereits erzählt hat. Ja, der letzten Satz ist sarkastisch gemeint, aber das davor ist mir ernst. Ich bin mir unsicher, ob ich diese Beobachtung als Kritik oder Lob handhaben soll.

Leider kann ich dasselbe Argument nicht anwenden, wenn ich kritisiere, wie langsam Ethan war, manche Hinweise zu erkennen und dadurch Geheimnisse aufzudecken. Immer mindestens ein anderer Charakter wusste ebenso viel wie er auch. Ich konnte es nicht immer unterdrücken, meine Augen zu rollen, wenn er eine Frage zu den vielen anderen hinzufügte, ohne dabei endlich auf die Lösung zu kommen. Natürlich, es war an den Stellen, zu denen die Fragen aufkamen, noch zu früh für die Lösung. Aber dann wurde eben zu viel zu früh preisgegeben. Ich habe mir an einigen Stellen scherzhaft gedacht, dass der Lotse noch ein bisschen mehr gelotst werden muss.

Die eine Sache, die mich seit dem Aufdecken des Schattens bis zum Ende nicht losgelassen hat: Warum tauchte der Schatten nicht schon im vorherigen Band auf? Man wusste schon im zweiten Band, dass die Ordnung der Dinge kräftig durcheinander gekommen war, weil Lena sich nicht berufen hat. Wenn nun aber tatsächlich Ethans Zwei-Seeligkeit daran Schuld ist und vor allem aber die Seele bestimmt bereits mit dem Ende des ersten Bands zweigeteilt war, warum hat sie sich erst ein halbes Jahr später zu sehen gegeben? Warum fingen Ethans Gedächtnisprobleme und Geschmacksveränderungen erst so spät an?

„Er sieht nicht nur so aus wie du. Er ist dein Ti-bon-ange. Die andere Hälfte deiner Seele … Die eine Hälfte ist bei den Lebenden, die andere bei den Toten. Du hast sie zurückgelassen.“
„Wo habe sich sie zurückgelassen?“
„Im Jenseits. Als du gestorben bist.“

Die eine Sache, die ich in diesem Buch wirklich richtig toll fand, war das Schicksal, die Lilum, personifiziert in der Englischlehrerin, Lilian English. Zunächst war ich natürlich davon überzeugt, dass sie als Königin der Dämonen auf der Seite des Dunklen stehen muss. Aber das Schicksal ist so viel älter als Gegensätze wie Gut und Böse. Richtig gut fand ich die trockene Art, wie sie ihren Text wiedergegeben hat. Ohne jegliche Emotionen. Aber vor allem war sie extrem neutral in allem, was sie gesagt hat. Die Menge an Einfluss, die sie genommen hat, war eine reine Auflistung von Tatsachen. Dementsprechend hat sie dann auch Abraham und Sarafine in die Schranken gewiesen – das war vermutlich die beste Szene des gesamten Buchs. Weil allerdings Ethan ein besseres Verständnis für sie hatte, schien das Schicksal seine Seite und somit eher die Seite des Guten (denn ist er auf der Seite des Guten, wenn Lena beides ist?) zu unterstützen – auch wenn die Vorhersagen, die sie für ihn hatte, auf anderes schließen lassen könnten.

„Licht und Dunkel sind für mich nicht von Belang. Es gibt nur eine Kraft, die aus dem Dunkeln Feuer geboren ist, aus dem alle Kraft entspringt.“

Mütter sind in diesem Buch deutlich stärkere Rollen als Väter. Nicht nur was die Kleinstadt Gatlin angeht, in der Damen wie Mrs Lincoln, Mrs Asher und Mrs Snow das Sagen haben, sondern auch in der Wate-Familie, bei der ich Amma und Marian ebenso zu Ethans Mutterfiguren zähle, wie seine tatsächliche Mutter, und auch bei den Castern, Sarafine ebenso wie Tante Del. Sie alle sind viel prominenter im Geschehen, als die Männer – mit der kleinen Ausnahme von Macon, der allerdings eine zu große Vorliebe für die Geheimniskrämerei hat (und keine Frau hat, die ihn in die Schranken weisen könnte).

Alles in allem hatte ich in diesem Buch das Gefühl, dass zu viel auf einmal verarbeitet werden sollte. Das Buch war durchzogen von wunderbaren Ideen, on nun das Hauptgeschehen oder eine der zahlreichen Nebengeschichten. Allerdings war das Buch zu dünn, um allem wirklich gerecht zu werden. Deswegen war das Lesen von einem Gefühl der Unvollständigkeit begleitet. Beispielsweise konnte ich Marians Verhalten nicht verstehen, nachdem sie vom Rat der Hohen Wacht zu ihrer Verhandlung gerufen wurde. Sie taucht einfach ab? Aber dann nimmt sie am Thanksgiving-Essen der Familie Wate teil, wie jedes Jahr und ohne einen Kommentar, warum sie dabei sein kann, wenn sie doch den Rest ihrer Zeit alle Leute, die sich um sie Sorgen und kümmern wollen, ignoriert? Ich würde außerdem gerne wissen, wie das Kelting wirklich funktioniert. Wie konstant ist die Verbindung? Und warum stellt Ethan sie nicht einfach her, wenn er in etwas Unbekanntes läuft und Lena ihm eine Erklärung und auch andere Hilfe bieten könnte? Es gibt immer noch so viel über die Caster-Welt, dass mir absolut unklar ist. Besonders nachdem die Größe des Ganzen in diesem Band noch einmal um einiges erweitert wurde. Sie hat so viele verschiedene Kreaturen und ein undurchsichtiges Rechtssystem. Was kann und muss da noch kommen?

Anstatt nun zum Schluss darüber zu sprechen, wie Ethans zwei Seelen wieder zusammenkommen, möchte ich damit abschließen, dass für mich die Erwähnung der Underground Railroad ein absolutes und lang erwartetes Muss dieses Bandes war. Im Hinblick auf die amerikanische Geschichte und die konstante Erwähnung des Civil War (zumindest im ersten Band) war sehr froh und erleichtert, als ich darüber gelesen habe – und natürlich, dass die Wate-Familie an der Befreiung und Rettung der Sklaven beteiligt war.

Es gibt einen Riss in allem. Denn nur so kommt Licht herein.

Nach dem Lesen

Entsetzt. Ich muss zugeben, ich bin froh, dass ich nicht auf die Veröffentlichung des nächsten Bands warten muss. Es muss nahtlos weitergehen. Obwohl ich mich natürlich frage, wie es hiernach überhaupt weitergehen kann!

L
E
N
A

Bewertung

Idee: 5 Sterne
Charaktere: 4 Sterne
Umsetzung: 3 Sterne
Schreibstil: 4 Sterne
Allgemeine Bewertung: 4 Sterne
Persönliche Bewertung: 3 Sterne

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