Nineteen Moons – Eine ewige Liebe (Caster Chronicles #4) von Kami Garcia & Margaret Stohl (3,6 Sterne)

Er hatte die Welt gerettet, aber meine Welt lag in Trümmern.
Was jetzt?

Das Buch

Nachdem Ethan sich am Ende des letzten Bandes vom Wasserturm gestürzt hat, geht es in diesem Buch um seine Existenz im Jenseits, der Anderwelt. Als er jedoch erfährt, dass er seinen Tod rückgängig machen kann, setzt er alle Hebel in Bewegung, um zu Lena zurückkehren zu können. Und dafür braucht er Lenas Hilfe.

In der Mitte des Buchs werden etwas mehr als 100 Seiten in diesem Buch aus Lenas Sicht erzählt, wie sie in der Welt der Lebenden versucht Ethan zu helfen und ihn zurückzuholen.

Aber bevor er tatsächlich zurückkehren kann, stehen ihm noch einige Prüfungen bevor.

Warum ich das Buch gelesen habe

Was soll man auch anderes machen, wenn der Erzähler sich am Ende des vorigen Bands in den Tod stürzt und damit die größte Liebesgeschichte aller Zeiten beendet? Und wenn man dann auch nicht noch auf die Veröffentlichung warten muss, sondern direkten Zugriff auf den nächsten Band hat, dann liest man direkt weiter. Das war es so wert!

Die Idee

Bereits vor einiger Zeit hatte ich den zufälligen Gedanken, wie es wohl wäre, ein Buch zu lesen, aus dem der Charakter aus dem Jenseits erzählt. Wie wird das Leben nach dem Tod dargestellt? Gibt es religiöse Hintergründe? Wie sieht es dort aus? Von welchen Menschen ist man umringt?

Während ich natürlich absolut nicht begeistert war, dass Ethan den Tod gefunden hat – auch wenn er damit die Welt gerettet hat –, war ich einfach nur aufgeregt, dieses Buch zu beginnen und über das Jenseits zu lesen.

Charaktere

Ich habe förmlich an jedem Wort von Ethan gehangen! Er erlebte das, was ich schon lange wissen wollte – obwohl es natürlich einer Fantasiewelt entspringt und, da bin ich mir ziemlich sicher, nicht real ist. Er hat es ziemlich entspannt genommen, tot zu sein. Wahrscheinlich war es die Tatsache, dass er seine Mutter hatte und auch andere Leute kannte und Verwandte besuchen konnte, dass Ethan nicht eine Panikattacke bekam, als er im Jenseits erwachte. Trotzdem hatte ich mehr erwartet. Niemand kann sich so sehr auf seinen Tod vorbereiten, als dass er hinterher nicht doch seinem Leben hinterherweint. Vor allem, da er nicht von Anfang an wusste, dass er tatsächlich wieder zurückkehren kann.

Die Spielregeln wurden härter, sobald man auf der anderen Seite stand. Und ich hatte die ungute Ahnung, dass das Spiel eben erst begonnen hatte.

Als er es dann wusste, hat er wie immer unermüdlich daraufhin gearbeitet. Ich mag es, wie zielgerichtet er ist, aber andererseits fällt ihm doch alles ein bisschen sehr zu. Es gibt nur kleinere Komplikationen, natürlich nicht ungefährlich, aber niemals musste er zurückgehen und einen neuen Weg finden. Wie auch in den vorherigen Büchern über-dramatisiert Ethan seine Erlebnisse. Obwohl er meist doch am Ende ziemlich einfach aus einer Gefahrensituation herausgekommen ist, erzählt er (wiederholt) im Nachhinein, als wäre es das schlimmste gewesen, dass man jemals erleben kann. Dann kommt die nächste Situation und sie ist tausendmal schlimmer. Das Schicksal, so scheint es, kann dann immer noch einen drauf setzen.

Lena war den Umständen entsprechend großartig. Es war toll, einen Blick in ihren Kopf zu bekommen – auch wenn ich persönlich wenig mit Gedichten anfangen kann. Ich mochte, wie ihre Trauer ausgedrückt wurde, wie sie damit umging, und natürlich, wie sie sich so sicher war, dass Ethan ihr Zeichen gibt. Was mir in ihrem Teil des Buchs auch zum ersten Mal richtig bewusst wurde, ist die Tatsache, dass sie wirklich weder gut noch böse ist. Denn vieles von dem, was sie tut, erscheint mir zu rücksichtslos, als dass es als komplett gut betrachtet werden könnte. Nur ihre kleineren Gedankenbisse bestätigen, dass sie auch nicht böse ist. Sie steht eben zwischen dem Lichten und dem Dunklen, aber durch Ethans rosarote Brille, durch die wir Lena sonst betrachten, ist das viel schwerer zu erkennen.

Ich selbst hatte im vergangenen Jahr oft genug eine schlechte Wahl getroffen.
Jetzt führte mein Weg zu dem Einzigen, bei dem ich mich richtig entschieden hatte.
Ethan.
Ich komme.

Andererseits hat mir bei ihr aber auch eine Tiefe zu ihrem Charakter gefehlt. Ich frage mich, ob es daran lag, dass sie nicht sie selbst sein konnte, wegen ihrer Trauer, oder ob sie doch nicht ganz ausgereift war. Teilweise war es eher so, als würde ich genau das lesen, was erwartet wird, und nicht dass, was Lena tatsächlich als Charakter ausmacht. Da war ein bisschen zu wenig Individualität, und alleine ihre Anhängerkette müsste zeigen, dass sie zu hundert Prozent ein Individuum ohnegleichen ist.

Lila Jane Evers Wate ist überraschend eigennützig. Zweifelsohne kann ich verstehen, dass sie sich freut, ihren Sohn wieder bei sich zu haben. Aber möchte sie ihn tatsächlich lieber tot bei sich im Jenseits haben, unglücklich, weil er von seinen Freunden getrennt wurde, oder sollte sie es nicht eigentlich bevorzugen, dass er zurückkehrt, wo der doch die Möglichkeit hat, und dort ein glückliches, langes Dasein, mit der Liebe seines Lebens verbringt? Ja, ich hatte mir mehr von dieser Begegnung mit Lila erhofft, auf vielen verschiedenen Leveln. Allen voran, aber, hätte ich so gerne mehr Zeit mit ihr verbracht. Ethan war so viel alleine unterwegs, im ersten Teil des Buchs. Außerdem war sie so verschlossen, dabei war sie eine der wenigen, die ihm bisher weitergeholfen hatte.

Link war die Person, die ich am meisten bemitleidet habe. Er hat niemanden, auf den er sich nach dem Verlust von Ethan stützen kann. Alle anderen haben eine Bezugsperson in der übernatürlichen Gruppe und bei ihm können es nicht einmal die Eltern wissen, was es wirklich mit Ethans Verschwinden auf sich hat.

Umsetzung und Schreibstil

Während ich die Idee wirklich sehr gerne mochte, und auch die Charaktere weiterhin fantastisch sind, wenn auch ein wenig unbeweglich, glänzte die Umsetzung nicht gerade mit Originalität und auch der Schreibstil hat seit dem ersten Band rapide abgenommen.

Was mich wohl am meisten an dieser Erzählung gestört hat, waren die häufigen Wiederholungen, das Wiederkäuen von bereits Erlebtem und das dadurch scheinbare Durcheinandergeraten von Zeitlinien. Es hat der Geschichte selbst nicht geholfen und erschien eher wie eine Art, das Buch zu verlängern. Weiterhin war der Erzählstil zwischen Ethan und Lena nicht als besonders unterschiedlich herausgereift. Ich hatte es erwartet, denn obwohl sie immer so auf einer Wellenlänge zu sein scheinen, sind sie doch sehr unterschiedliche Menschen.

Was die Originalität angeht, so konnte ich im dritten Teil des Buchs gefühlt jedes Geschehnis mit einem anderen Buch für Junge Erwachsene, das ich gelesen habe, in Verbindung bringen. Da war beispielsweise Angelus, der mich mehr und mehr an Valentine aus The Mortal Instruments erinnerte, ebenso Abraham. Der See um die Caster Chroniken ist fast wort-wörtlich aus Harry Potter and the Half-Blood Prince, das Ende von Angelus erinnert an die letzte Szene von Voldemort in Harry Potter and the Deathly Hallows. Außerdem schien die Hohe Wacht irgendwo ein Abbild des Olymps (wird sogar erwähnt) zu sein, wie er in der Percy Jackson-Reihe dargestellt wird. Einerseits freue ich mich immer, wenn ich Elemente wieder erkenne, andererseits nur in Maßen. Dies war vielmehr eine Anhäufung ohne eigene Ideen.

Während allerdings das Ende etwas langsam war in seiner Entfaltung, strotzte der erste Teil nur so vor Originalität – zumindest aus meiner Perspektive. Das kreierte Jenseits ist ein Wunderwerk der Fantasie. Das hat mir wirklich gut gefallen, eben auch vor dem Hintergrund, dass ich ein fast unheimliches Interesse daran habe, wie es nach dem Tod weitergehen könnte.

Dort, wo normalerweise die Gräber lagen, standen die Häuser der Menschen, die an dieser Stelle beerdigt waren.
[…]
Überall ersetzten die Grabsteine der Verstorbenen die Eingangstüren.

Eine Sache, die mir im ersten Band so gut gefallen hat, aber dann zu meinem Ärgernis mehr und mehr in Vergessenheit geraten ist, hat hier überhaupt nicht mehr hereingefunden. Ethan, und die Welt die Ethan umgibt, hat komplett die Verbindung zur Normalität verloren. Kaum einmal wird erwähnt was tatsächlich in der Welt vor sich geht, wie und ob überhaupt sie sich von der vorherigen Katastrophe erholt hat. Wie geht es den Einwohnern von Gatlin? Alles scheint sich nur noch um die magische Welt, und vielmehr um Ethan zu drehen. Ich möchte fast sagen: Haben die kein Leben? Vielleicht wäre ich auch gar nicht so sehr daran interessiert, denn im Endeffekt lese ich die Geschichte ja für Ethan und Lena, wenn der erste Teil nicht so detailliert darauf bestanden hätte, das Leben Gatlins zu analysieren. Es fehlt und das ist ein großer Kritikpunkt.

Die wahre Bedeutung der Caster Chroniken hat mich ziemlich überrascht. Das Leben eines jeden Menschen ist ein geschriebenes Werk. Man kann sich nur auf einem bestimmten Weg bewegen, aber böse Mächte können in das Schicksal eingreifen und deinen Lebensweg beeinflussen und abändern. Und wenn das geschieht, wird man vom eigentlich unveränderlichen Weg des Rads des Schicksals zermalmt. Ethan ist dem voll in den Weg geraten. So unheimlich sie auch ist, ich mag diese Vorstellung des geschriebenen Schicksals. Ich mochte bereits die Einleitung der Lilum im vorigen Band, und es hier weiter auszuarbeiten hat mir besonders gefallen!

Was, wenn die Zerstörung das Vorgezeichnete gewesen war?
Was, wenn meine Rettungsaktion der eigentliche Fehler war?

Einige Fragen blieben aber weiterhin unbeantwortet. Wie zum Beispiel John Breeds genetische Zusammensetzung. Ich hatte auch erwartet, dass die Hohe Wacht gegen Ende eine größere Rolle spielen würde. Aber es wurde nur das störende Mitglied getötet, ohne dass gesagt wurde, wie der Rat weitermachen kann, wenn Angelus fehlt. Wie viel hat er wirklich in Unordnung gebracht? Außerdem, warum hat Obidias Ethans Tod eingefügt? Stand er damit auf der Seite des Guten oder des Bösen – unabhängig davon, dass er ein Dunkler Caster war. Und was genau ist jetzt mit Lenas Berufung? Spielt das überhaupt noch eine Rolle? Die Geschichte fühlt sich noch nicht abgeschlossen an, auch wenn Ethans Geschichte und Rolle darin vielleicht erzählt ist.

Es gab da eine Stadt voller rechtschaffener Menschen, die waren so gütig und gerecht, dass sie eines Tages von der Erde in den Himmel aufgenommen wurden. Einfach so. Ohne vorher zu sterben.

Nach dem Lesen

Hm. Ich hatte dem Ende so entgegengefiebert, aber es war dann doch zu genau das, was ich mir vorgestellt habe. Sollte mich glücklich machen, hat mich aber eher mit gemischten Gefühlen hinterlassen. Vielleicht wollte ich aber auch einfach nicht, dass es vorbei ist.

Bewertung

Idee: 4 Sterne
Charaktere: 4 Sterne
Umsetzung: 3 Sterne
Schreibstil: 3 Sterne
Allgemeine Bewertung: 4 Sterne
Persönliche Bewertung: 4 Sterne

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