Das geheime Vermächtnis des Pan (Pan-Trilogie #1) von Sandra Regnier (5 Sterne)

Halt! Sofort korrigierte ich mich. Lee hatte irgendwie recht: Solange ich mich als Loser fühlte, würden alle mich so behandeln. Ich musste damit aufhören.

Wenn ich nicht schlafen müsste, hätte ich das Buch in einem Durchgang gelesen. Ich habe es geliebt, ich habe es verschlungen und in diesem Nach-dem-Lesen Moment versuche ich tatsächlich auch nur einen einzigen Kritikpunkt zu finden. Aber ich finde keinen. So etwas ist mir wirklich schon lange nicht mehr passiert – noch nie?
Das Buch hat mich überrascht. Man formt immer eine vorläufige Meinung über das Buch, wenn man den Buchdeckel liest. Für mich war die Nennung der Elfenwelt, direkt nach dem wundervollen Cover und dem interessanten Titel, der Überzeugungspunkt, dieses Buch tatsächlich zu kaufen. Allerdings handhabt dieses Buch die Elfenwelt ganz anders, als alle Bücher, die ich diesbezüglich bisher gelesen habe. Das ist keine Kritik. Das ist ein großes Lob, sich so von der Norm zu entfernen. Es ist mutig, fantasiereich, besonders.

Der Schreibstil des Buchs ist genau richtig für mich. Ich wurde vom ersten Wort an gefesselt. Die Wortwahl ist stets angemessen, wobei allerdings, wie immer, gerne ein größerer Unterschied zwischen den einzelnen Wesen/Charakteren gemacht werden dürfte. Die kreierte Welt ist auch genau das, was mir persönlich gefällt. Ein bisschen englisch, ein bisschen deutsch, genau was mich ausmacht. Diese Eigenschaften der Welt verweben sich mit dem Schreibstil – an bestimmten Stellen wurde der englische Begriff gewählt. Somit hat die Welt und auch die Sprache mich an mich selbst erinnert. Ich konnte mich gut in alles reindenken. Des Weiteren passiert alles in einer guten Geschwindigkeit. Das ist oft ein Kritikpunkt von mir an anderen Büchern. Es passiert nicht schnell genug. Es passiert zu schnell. Es gibt zu viele Andeutungen, aber zu wenige Erklärungen. Das alles ist hier nicht der Fall. Es gab genug Vorgeschichte, den Charakteren wurde Zeit gelassen, sich zu entwickeln, vorzustellen, ihre Eigenschaften zu zeigen. Weisende Elemente wurden gut eingeführt, nicht zu zufällig, nicht zu zaghaft und nicht direkt als extrem seltsam herausgestellt, sondern für den Charakter als akzeptabel. Dadurch erschien die Geschichte als sehr durchdacht und wohl geplant. Alles passierte an der geeignetsten Stelle.
In diesem Zusammenhang muss ich auch erwähnen, dass ich mich stets gefeiert habe, wenn der innere Nerd herauskam. Die meisten der Referenzen konnte ich problemlos verstehen und in Beziehung setzen. Als dann schließlich von König Artus die Reden war, ob nun real oder mythologisch gesehen macht keinen Unterschied, war es vorbei mit mir und diese Geschichte war offiziell die neue Norm, nach der ich leben wollte.

Felicity „Fay“ Morgan (klasse gewählter Name, wir sind zurück in der mythologischen Welt um die König Artus Sage, Avalon, das kleine Volk und natürlich Artus Halbschwester Morgana die Fee) ist ein wunderbar entwickelter Charakter. Während ihr, wie in typischen Büchern für Junge Erwachsene, der stabile familiäre Hintergrund fehlt und sie schon viel zu selbstständig und vernünftig für ihr Alter ist, wurde sie auch sehr stark von ihrem sonstigen Umfeld beeinflusst und ist aber, glücklicherweise, nicht zur Einzelgängerin geworden. Sie hat einen festen Freundeskreis, in dem sie sich wohl fühlt und in dem alle so akzeptiert werden, wie sie sind. Ein weiterer wichtiger Teil in ihrer Entwicklung. Aber bis sie auf Lee trifft, wird sie nicht gefordert über sich selbst hinauszuwachsen. Sie hat in Wirklichkeit noch viel mehr zu bieten. Und ihre Charakterentwicklung in diesem Buch ist spannend zu verfolgen, aber noch lange nicht beendet. Ich freue mich besonders darauf in den nächsten Büchern.

In diesem Moment wurde mir klar, dass er nicht mich gemeint hatte. Er hatte Lee nicht gehört. Niemand hatte Lee gehört. Nur ich. Ich hörte Lees Stimme in meinem Kopf.

Lee, Leander FitzMor, ist ein interessanter, frustrierender, schwer zu verstehender, arroganter, verwirrender und irreführender Charakter. Er ist innerlich so anders, als er äußerlich handelt. Dadurch, dass er das erste Kapitel von jedem der beiden Buchteile bekommt, ist dem Leser ein Blick in seinen Kopf gewährt, der seine Handlungen über den Rest des Buchs unverständlich erscheinen lassen. Er ist ein Blender und man kann sich seiner Absichten niemals sicher sein. Ich kann nicht einschätzen, wann Fay seine Gefühle richtig interpretiert und wann sie nur das sieht, was er will, dass sie sieht. Einerseits hätte ich gerne mehr Kapitel von ihm und andererseits würde das einen großen Teil der Spannung nehmen. Lieber erfahre ich alles zeitgleich mit Fay.

„Äh… Ich glaube, ich gehe… ich muss mich noch ausziehen für Richard… ich meine natürlich anziehen… Nein, umziehen. Ich muss mich umziehen.“

Die Magie des Buchs hat mich gefangen genommen.

Bewertung

Idee: 5 Sterne
Charaktere: 5 Sterne
Umsetzung: 5 Sterne
Schreibstil: 5 Sterne
Allgemeine Bewertung: 5 Sterne
Persönliche Bewertung: 5 Sterne

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