Die dunkle Prophezeiung des Pan (Pan-Trilogie #2) von Sandra Regnier (4,8 Sterne)

Als jeder Spieler am Tisch seinen Anteil in der Hand hatte, lächelte mich Ciaran zuckersüß an, nahm meine Hand und küsste meine Fingerspitzen. „Du bist mein Glücksbringer, das weißt du, oder?“
Rundum seufzten ein paar Damen vernehmlich.
Ich lächelte genauso zuckersüß zurück. „Aber klar, Honigbärchen, wenn ich die zwei Asse da sehe, kann ja nichts mehr schiefgehen.“

Dieses Buch ist köstlich. Nein, wirklich, das ist es!

Wie auch schon beim ersten Band fällt es mir schwer auch nur einen Kritikpunkt für dieses Buch zu finden. Denn selbst Dinge wie Durchschaubarkeit, wie ich es in anderen Büchern nicht mag, sind hier so clever eingewoben, dass man sich nicht daran stört, die Lösung bereits eine Weile vor den Charakteren zu kennen (außer ein oder zweimal, wenn der Charakter etwas wichtiges, bereits gesagtes, überraschenderweise vergessen hat). Nun gut, nach einer Weile wird man frustriert und ungeduldig, weswegen ich mit der Umsetzung nicht hundert Prozent zufrieden bin.

Die Charaktere möchte ich hier in einem Punkt mit besonderem Lob hervorstellen, denn keiner von den im ersten Band eingeführten Personen wurde hier vernachlässigt. Ich gebe zu, ich habe es befürchtet. Aber Fay stellt sich nicht wie eine typische Heldin in dem Durchschnitts-Roman für Junge Erwachsene heraus. Sie lässt sich nicht komplett von der magischen Welt vereinnahmen und verbringt trotzdem weiterhin Zeit mit ihren Freunden. Und wenn sie doch einmal zu viel Zeit auf der anderen Seite verbringt und den Kopf verliert, dann kann sie sich auf ihre Freunde verlassen, die ihr ins Gewissen reden. Auch die Erzählung lässt sich nicht davon beeindrucken, dass der Fokus auf die Welt des Unbekannten doch eigentlich viel interessanter wäre. Wir verfolgen weiterhin Fays Leben als Arbeitskraft und als Schülerin, die sich mit Freunden trifft und ganz normalen Spaß hat. Es gibt genug Bücher, in denen es mich stört, dass die Hauptfigur ihre „normalen“ Freunde links liegen lässt. Ich bin so froh, dass Fay nicht eine von denen ist und ihrer loyalen Charaktereigenschaft tatsächlich treu bleibt.

Auch wenn Fay sich ziemlich verändert. Zwei Kleidergrößen, die Haare anders, noch schlagfertiger. Glücklicherweise kommt nicht vollkommen durch, ob sie sich tatsächlich in den schönen Schwan verwandelt hat, oder ob ihr Aussehen immer noch normal/menschlich ist und sich einfach nur ein magischer und verführerischer Bann über sie gelegt hat, der sie zusammen mit ihrem verstärkten Selbstbewusstsein attraktiv macht. Ich hoffe auf das zweite, denn ein Otto-Normal-Held gefällt mir besser als ein eingebildetes Model.

Ach ja, die eingebildeten Models in diesem Buch. Sie machen es einem schon schwer, als ebenfalls normaler Leser nicht doch kleiner zu fühlen. Und Fay scheint ja regelrecht ein Händchen für diese Typen zu entwickeln. Obwohl wir weniger mit dem Schönling Lee zu tun haben, schwirrt er doch trotzdem die ganze Zeit herum (und Fay war wirklich furchtbar langsam ihre Rolle in seinem Verschwinden zu sehen, dabei waren alle Hinweise da). Und dann bekommen wir noch mehr von Richard zu sehen (ich konnte mich nie ganz überwinden, Team Richard zu werden). Und Ciaran (dessen Namen ich weiterhin liebe) übernimmt fast die männliche Hauptrolle. Er entwickelt sich zu einem noch interessanteren Charakter (und Fay war mal wieder ein klein wenig langsam). Aber irgendwann gehen selbst dem besten Erzähler Wege aus, Schönheit zu beschreiben (blah).

Mein persönlicher Höhepunkt in diesem Buch war die wiederholte Erwähnung und schließlich der kurze Aufenthalt in Avalon – wo allerdings auch noch viele unbeantwortete Fragen aufgeworfen wurden. Zwar war ich selbst nur im mythischen-angeblichen Avalon in Glastonbury und Glastonbury Tor, aber ich kann mir einbilden, dass die Apfelhaine dort bedeuteten, dass ich in den Apfelhainen des Avalons dieses Buchs unterwegs war. Und ich sage nur… Merlin!

Abgesehen von einer teilweisen, aber eigentlich immer gut erklärten Langsamkeit, fand ich die Geschwindigkeit des Buchs immer noch sehr angenehm. Besonders gefallen hat mir, dass am Ende des Buchs die Zeit genommen wurde, noch ein paar Fragen zu beantworten und, oh my, haben die mein kleines Herzchen fliegen lassen! Wie auch schon zuvor, endete das Buch auf einem gut positionierten Cliffhanger.

In einem weiteren kleinen Kritikpunkt (ich möchte übergehen, dass das Buch an zwei Stellen offensichtlich nicht fertig editiert war, denn ein eingeklammertes ? und ein eingeklammertes erläutern? sind offensichtlich Anmerkungen des Autors, die nichts mit dem Buch selbst zu tun haben) muss ich Fays Familie erwähnen. Während sich das Buch großartig tut, Fays Bezug zur Realität durch ihre Schulfreunde nicht zu verlieren, ist ihre Familie mir ein absoluter Dorn im Auge. Das fing im vorigen Buch mit Geld wegnehmen an, dem Weihnachtsfest, dem fehlenden Respekt. Aber hier wurde es besonders eindeutig. Wie erklärt sich die Mutter das ständige, längerfristige Verschwinden ihrer Tochter? Warum sorgt sie sich nicht? Aber vor allem, warum denkt sie, dass sie das Recht hat, ihrer Tochter Dinge wegzunehmen? Von der Weltansicht ihrer Geschwister möchte ich gar nicht anfangen. Diese Familienform, in der die Heldin unterdrückt, ausgenutzt und/oder vergessen wird, ist viel zu häufig in diesem Genre und ich hoffe, weil ich das Buch so gerne mag, dass es dafür noch eine tolle Erklärung gibt. Ich erwarte Neuigkeiten über Fays Vater, ihre Herkunft, warum ihr Großvater sie liebte und ihre Großmutter sie hasste und vielleicht auch, was genau ihre Mutter denkt, warum sie den Pub am Leben halten will, warum sie ihre Tochter nicht respektieren kann und was genau ihre Geschichte ist.

Ich muss gestehen, dass ich mich gezwungen habe, diesen Review zu schreiben, bevor ich weiterlese. Denn ich kann es kaum abwarten, im nächsten und letzten Teil zu versinken.

Bewertung

Idee: 5 Sterne
Charaktere: 5 Sterne
Umsetzung: 4 Sterne
Schreibstil: 5 Sterne
Allgemeine Bewertung: 5 Sterne
Persönliche Bewertung: 5 Sterne

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