Beastly (Kendra Chronicles #1) von Alex Flinn (3,2 Sterne)

Ich fragte mich, ob ich dadurch, dass ich jetzt hässlich bin, klüger geworden bin.

Ja, ich habe mich lange dagegen gewehrt. Nein, es lag nicht an Alex Pettyfer. Möglicherweise lag es an Vanessa Hudgens. Ja, ich mag Die Schöne und das Biest. Definitiv ja, ich muss ein Buch lesen, wenn mir die Verfilmung zugesagt hat.

Ich muss auch zugeben, dass ich das Buch vielleicht nicht weitergelesen hätte, hätte ich den Film nicht gesehen und wüsste ungefähr, was kommt. Denn die nebengeschichtliche Einleitung hat mir nicht gefallen. Die, die jeden der vielen Buchteile stets eingeleitet hat.

Ich muss dem Buch zugestehen, dass ich es zu einem unglücklichen Zeitpunkt gelesen habe. Meine vorige Lektüre hatte einen umwerfenden Schreibstil. Dagegen konnte kaum ein anderes Buch ankommen und dieses erst recht nicht – auch wenn es gegen Ende besser wurde, als „Adrian“ literarisch und menschlich gebildeter war.

Natürlich habe ich an das Buch einige Anforderungen gestellt und nicht nur, weil ich kurz zuvor den Film gesehen hatte. Vor allem wollte ich mir meine Liebe für das Märchen bestätigen lassen. Die Geschichte fordert eine extreme Lernkurve von seinem Hauptcharakter, dem Biest und dies richtige darzustellen, ist eine Herausforderung, der kaum ein Erzähler gewachsen ist. Ja, auch dieser Erzähler nicht, denn ich war nicht vollkommen davon überzeugt, dass der Erzähler den Charakter von Kyle/Adrian tatsächlich verstanden hat. Und es war hier nicht nur die Entwicklung, die mir holprig und sogar unvollständig vorkam, sondern auch in seiner menschlichsten Darstellung, als Jungen.

goodreads-Notiz: Aber Adrians Charakter fällt mir auch schwer zu verstehen. Er verbringt natürlich viel Zeit in seinen Gedanken, aber leider erscheint es deswegen, als würde er sich seine Gefühle zusammenreimen. Er hat diese Erwartung und dann ist das einfach so. Es fehlt mir der wahre Entwicklungsvorgang seiner Gefühle, aber auch allgemein seines Wesens.

Ich änderte meinen Namen. … Das war ich, der Dunkle. Alle … nannten mich ab jetzt Adrian. Ich war die Dunkelheit.

Im Gegensatz dazu hat mir die Darstellung von Lindy sehr gut gefallen. Zwar kam sie nur von Kyles Perspektive, aber ich fand, dass ich am Ende ein viel besseres Verständnis von ihr hatte, als von Kyle. Ihre Entwicklung konnte ich nachvollziehen.

„Sie ist arm, und ich dachte, wenn ich ihr Schmuck und hübsche Dinge kaufe, würde sie mir eine Chance geben. Aber sie will nichts davon.“

Dementsprechend hat mir der zweite Teil des Buchs, als Lindy dazukam, viel besser gefallen. Auch wenn weiterhin klischeereich und überzogen waren die Geschehnisse ab dem Zeitpunkt viel logischer und realer. Davor hatte ich mit Magdas Offensichtlichkeit zu kämpfen, musste in der ernsten Situation von Kyles Enthüllung zu seinem Vater lachen und empfand Dinge, wie den Bau des Wintergartens, als zu plötzlich und unerklärt. So gesehen hätte das Buch, wenn es doppelt so dick gewesen wäre, weil es mehr Details enthielt, mindestens einen Stern besser verdient.

Für mich, als Leserin einer Übersetzung, habe ich die schwache Hoffnung, dass der Schreibstil des Buchs nicht tatsächlich so unglücklich war, wie es sich mir hier darstellte. Teilweise kamen mir die Formulierungen etwas unüberlegt vor, zu direkt übersetzt und zu schnell. Beispielsweise die Stockwerke des Hauses haben mich sehr verwirrt, ich wusste nie, wo wer war und wie viele es tatsächlich gab.

Ich, der ich auf Leute mit Pickeln und Mundgeruch herabgeschaut hatte, war ein Monster.

Der Grund, aus dem das Buch aber immer gut sein wird, selbst wenn Charaktere, Schreibstil und Umsetzung nicht überzeugen, ist die Auseinandersetzung mit äußerer und innerer Schönheit. Wie äußere Schönheit blendet und Menschlichkeit auffrisst, weil sie einem nicht erlaubt, in die Tiefe einer anderen Person vorzudringen. Das Buch zeigt, dass erst der zweite, der dritte, der tausendste Blick auf einen Menschen erlaubt, den anderen zu verstehen und ihn dann, selbst wenn der ersten Blick es nicht verraten hat, als den schönsten Menschen zu erkennen. Wahrscheinlich mag ich das Märchen deswegen so gerne, weil ich mich in ihm verstanden und bestätigt fühle.

„… Kyle … wir kriegen das wieder hin. Wir finden einen Arzt und kriegen das in den Griff. Mach dir keine Sorgen. So wird mein Sohn nicht herumlaufen.“

Richtig gut gefiel mir das Ende. Es war nicht abrupt vorbei, sondern klärte noch einige Stellen auf und ermöglichte einen Blick in die Zukunft. Ich mag mir ein ausführliches, detailreiches Ende!

Wenn ich nicht verwandelt worden wäre, hätte ich nie gewusst, was mir fehlte.

Bewertung

Idee: 4 Sterne
Charaktere: 3 Sterne
Umsetzung: 3 Sterne
Schreibstil: 3 Sterne
Allgemeine Bewertung: 3 Sterne
Persönliche Bewertung: 3 Sterne

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