In dieser ganz besonderen Nacht von Nicole C. Vosseler (4,5 Sterne)

„Und wenn es dir vorkommt, als wärst du verrückt geworden, dann liegt das daran, dass dir der Zusammenhang fehlt, um es einordnen zu können.“

Ich gebe zu, dass ich in diesem Roman zum ersten Mal die letzte Seite gelesen habe, um zu sehen, ob ich das Buch tatsächlich lesen möchte. Ich wollte.

Was mir vom ersten Augenblick in diesem Buch gefallen hat, war, dass ich genau verstanden habe, was in Amber vor sich ging. Ich hatte nicht das Gefühl, dass mir einfach jemand davon erzählt, dass sie unter dem Tod ihrer Mutter und ihrem anstehenden Umzug leidet. Ich habe es Wort für Wort gefühlt. Ich habe ihre Trauer geteilt, ich habe ihre Verzweiflung geteilt, ich habe ihre Angst verstanden und ihre Verwirrung gefühlt. Irgendwann bin ich vollkommen in das Buch eingetaucht und war Teil der Geschichte.

Im Gegensatz zu der Gefühlwelt war alles andere ein bisschen zu offensichtlich eingefädelt. Schon vom ersten Schultag an war klar, wer in Zukunft Ambers Freunde werden würden und wer nicht. Ich mochte die Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren, sehr oft wurde viel Liebe und Detail in das Geschehen gesteckt. Aber das verlor sich dann irgendwann und das fand ich schade. Ted und Amber hatten gute Gespräche am Anfang, sie waren echt, kurz angebunden, ganz normal zwischen Teenager und unerfahrenem Vater. Ich habe mich immer gefreut, wenn die beiden im selben Raum waren. Dann aber kamen Wochen und Monate, wo nicht einmal etwas darüber erwähnt wurde, was die beiden gemeinsam unternommen, besprochen und vor allem, welche Fortschritte sie in ihrer Beziehung zueinander gemacht haben. Das war enttäuschend, denn da war eine richtig gute Vorlage gegeben. Auch Ambers Freunde erschienen unnütz unregelmäßig. Nur ein Nebensatz ab und zu mal hätte dem Zauber der Geschichte zu Bestnoten verholfen.

goodreads-Notiz: Und die Erzählung lässt sich Zeit. Ein weiterer Pluspunkt. Allerdings freue ich mich auch auf die Zeit, wenn es Amber besser geht! …  Sie ist so ein Teenager! Ich bin fasziniert, noch nie war ein Buch für Junge Erwachsene tatsächlich mit einem solch authentischen Charakter.

Die Erzählungen und Erklärungen im fantastischen Element des Buchs haben mich hier am meisten interessiert. Bis auf die Serie Ghost Whisperer habe ich mich noch nicht mit Geistern und Menschen, die Geister sehen können, auseinandergesetzt. Dementsprechend kann ich nicht sagen, wie originell deren Basis in der Geschichte war. Es scheint, es könne man Geister einfach sehen, wenn man eine Nah-Tod-Erfahrung gemacht hat und besonders sensibel ist. Mehr ist das nicht, man hat deswegen keine Bestimmung oder Verpflichtung den Geistern gegenüber. Das war überraschend, unerwartet und auch ein bisschen erfrischend. Ich mochte das fantastische Element des Buchs und seine Wirkungen auf die Geschichte und Charaktere.

„Wie kann etwas, das dir offenbar solche Angst einjagt, nicht real sein?“

Die Liebesgeschichte zwischen Amber und Nathaniel habe ich mit größtem Interesse verfolgt, versucht zu verstehen, aber am Ende bin ich gescheitert – auch wenn alles logisch erklärt und wunderbar beschrieben wurde. Vielleicht lag es daran, dass mir das gewisse etwas gefehlt hat, dass ihre geistige Nähe zueinander ausdrückt, denn es ging sehr viel um ihre (nicht-existente) körperliche Nähe. Immerhin aber wurde das Thema realistisch betrachtet, die Höhen und Tiefen beschrieben und sogar der (erwartete) Fehltritt eingebaut. Der Zeitpunkt der besonderen Nacht war natürlich auch wenig überraschend, genauso wenig die Wirkung auf die übernatürliche Welt. Es war deswegen nicht weniger schön. Und die Nachwirkungen nicht weniger schockierend.

Ich muss gestehen, dass ich etwas Angst um meine Liebe für Nathaniel bekommen habe, als erklärt wurde, warum es überhaupt Geister auf der Welt gibt, warum sie zurückbleiben und nicht hinübergehen können. Aber dafür, die Lösung, das Ende, war es ja ein Fantasie-Roman.

Ich glaube, das Buch konnte nur auf zwei Arten enden: Entweder zu süß oder zu traurig. Ich bin froh über die Möglichkeit, die hier gewählt wurde, aber ich bin mir nicht sicher, ob jeder das so sehen würde.

goodreads-Notiz: (Es hat ein wenig zu früh geendet.)

Bewertung

Idee: 5 Sterne
Charaktere: 5 Sterne
Umsetzung: 4 Sterne
Schreibstil: 4 Sterne
Allgemeine Bewertung: 4 Sterne
Persönliche Bewertung: 5 Sterne

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