Schneeglöckchenzauber: Roman (Blumenzauber-Reihe #1) von Isabella Muhr (3,3 Sterne)

Vielen Dank an NetGalleyDE, dass ich das Buch in meine Sammlung aufnehmen durfte. Dafür revanchiere ich mich gerne mit einem Kommentar!

„Man kann nicht alles im Leben kontrollieren und man kann sich auch nicht alles im Leben aussuchen, aber man kann auf seine Gefühle hören.“

Wo soll ich anfangen? Eigentlich hat mir das Buch ziemlich gut gefallen. Nadine war ein interessant aufgebauter Charakter, ihre Hintergrundgeschichte war detailliert und verständlich dargestellt und konnte ihre derzeitige Gemütsverfassung gut erklären. Dabei, ihrer Geschichte zu folgen, wird dem Leser und besonders der Leserin eine gute, wichtige Nachricht vermittelt. Soweit war es also ein gutes Buch.

Ich habe damit gekämpft zu verstehen, warum und wie Nadine ihre Kindheitserfahrungen auf ihren eigenen Sohn und Erziehungsstil überträgt. Theoretisch mochte ich ihr Familienbild. Sie hat sich mit Torsten eingelassen und nun bekommen sie einen Sohn, also sind sie jetzt eine Familie und bleiben als diese zusammen. Außerdem ist es wichtig, dass ihr Sohn sich nie alleine der Welt stellen muss und sie immer in seiner Nähe und zu seiner Unterstützung hat.

Was war aus Wertvorstellungen wie Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl geworden?

Sie hielt zwischenmenschliche Beziehungen für den Inbegriff von Verantwortlichkeit und Verbindlichkeit.

Das Problem an dieser Beschreibung war für mich einfach, dass sie wohl diese Überzeugungen hatte, sie aber nicht gelebt und entsprechend angewandt hat. Torsten hat mit Nadine zwar ein Schlafzimmer geteilt, aber tatsächlich haben die beiden wie Fremde in einer Zweck-WG zusammen gelebt. Ich verstehe, dass Nadine eine intakte Familie vielleicht nicht aus persönlicher Erfahrung kennt, aber ihre Interpretation kann für sie nicht richtig gewirkt haben.

Oder vielleicht gab es doch ein paar Familienmomente, aber diese sind nicht teil der Erzählung geworden. Der Leser hat die drei nie wirklich als Familie agieren sehen, niemals einen zärtlichen Moment zwischen Torsten und Fynn, geschweige denn zwischen den Eltern. Aber obwohl Fynn von seinem Vater abgeschottet gewirkt hat, weil Nadine seine gesamte Zeit in Anspruch genommen hat, schien sie nicht zu wollen, dass ihr Sohn komplett ohne weitere Personen/Familie in seinem Leben aufwächst. Denn offensichtlich hätte sie ihm diese zärtliche Zuwendung von seinen Großeltern väterlicherseits gegönnt, hätten sie näher gewohnt.

Für Fynn wäre ein engerer Kontakt mit Sicherheit eine Bereicherung gewesen.

Trotzdem schien Nadine Fynn nie aus der Hand zu geben, außer ihn in Reichweite spielen zu lassen, oder wenn sie abrupt zur Toilette fliehen musste, weil sie nicht mit ihrem Leben und ihrer sozialen Umgebung zurechtkam. Es wurde zunehmend schwerer, Nadine zu glauben, dass Fynn an erster Stelle steht, wenn sie ihn so oft an seiner eigenständigen Entwicklung hindert, sich selbst hinter ihrer Vergangenheit und dem Groll gegen ihre Mutter versteckt, und wenn sie selbst das Familienbild, an das sie sich so hilflos und ignorant krallt, zerstört.

Ich könnte noch viel mehr zu dem Thema schreiben, denn ich habe mir ausführlichst Notizen während des Lesens gemacht, aber ich möchte nichts vorwegnehmen, oder zu sehr in meine eigene, persönliche Interpretation und Analyse Einblick gewähren. Die Sache ist, dass ich mich so gut mit Nadines ursprünglichen Gefühlen, Meinungen und Überzeugungen identifizieren konnte, dass für mich jeder Schritt, den sie ging, den ich nicht gegangen wäre, derart unverständlich war und gegen den Strich ging, dass das gesamte Buch für mich darunter leiden musste. Aber gleichzeitig mochte ich das Buch dafür, dass es mich zwang, mich so kritisch damit auseinander zu setzen.

Nadine hielt nicht viel von Jammern. „Immer weiter“ war ihre Devise.

Im Allgemeinen mochte ich den Schreibstil sehr gerne. Meistens war er flüssig, verständlich, ohne große Worte. Dann aber, besonders wenn Nadines Gefühlswelt analysiert wurde, war er plötzlich viel tiefgründiger und hatte all diese großen, wichtigen Worte, die mir das Lesen erschwerten und mich zu Bedeutungsnachdenken anregten. Und dann kamen Moment, besonders wenn sie in Gesellschaft war, oder aus der teilweise abrupt eingeführten Sicht einer der Männer berichtet wurde, dass der Schreibstil so einfach und umgangssprachlich wurde, dass er schon beinahe ordinär oder sogar vulgär erschien. Teilweise, auch wenn nicht oft, hätte ich mir da ein bisschen mehr Regelmäßigkeit erwünscht.

Verwirrt hat mich die Darstellung der direkten Gedanken der Person, deren Sicht gerade erzählt wurde. Teilweise kamen diese kommentarlos, teilweise in doppelten Anführungszeichen, fast wie direkte Rede, und manchmal erschienen die Gedanken zusätzlich kursiv. Persönlich bevorzuge ich hier einfache Anführungszeichen und unformatiert, oder aber, hier wie auch schon zuvor, zumindest eine gewisse Regelmäßigkeit.

Etwas gestört haben mich häufige Wiederholungen. Das waren nicht nur wiedergekäute Gedanken und Erinnerungen, sondern auch, dass diese in denselben Formulierungen wiedergegeben wurden. Dazu kam, dass diese Wiederholungen teilweise Charakterübergreifend waren. So haben einmal völlig voneinander unabhängige Charaktere genau dasselbe gesagt. Was ich allerdings auch zu Wiederholungen sagen muss: An einer oder zwei Stellen waren sie sehr Willkommen und haben mich zum Schmunzeln gebracht, denn hier haben sie das Wachstum des Charakters unterstrichen und waren dementsprechend wohlplatziert.

Da war noch eine Sache, die ich als studierte Anglistin nur schwer beurteilen kann, aber teilweise hat mich die Menge der englischen Wörter und Bezeichnungen im Text überrascht. Ist das normal gängige deutsche Sprache?

Zu guter Letzt noch ein Kritikpunkt, der mich wirklich davon abgehalten hat, in die Tiefe des Buchs hinabzugleiten und Teil davon zu werden. Ich sehe ein, dass das Buch Teil einer Reihe ist und das manche der Charaktere ein eigenes Buch bekommen um ihre Geschichte zu erzählen. Da dieses Buch aber von Anfang an darauf bestanden hat, alleine stehend gelesen werden zu können, muss ich sagen, dass an der Charakterentwicklung und –erklärung zu sehr gespart wurde. Ich habe mehr Informationen zu Linda, Ella, aber auch Corinna gebraucht, um ihre Aktionen zu verstehen, aber auch um nachvollziehen zu können, warum Nadine wie auf die beiden Ersteren reagierte. Somit fehlte dieser Huntergrund nicht nur im Gesamtbild für alle Charaktere, sondern besonders auch, ein besseres Verständnis für Nadines Charakter zu erlauben. (Denn bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, inwieweit ihr äußeres und inneres Erscheinungsbild übereinstimmen. Ich glaube, die Erzählung zeigte zu viel äußeres und kaum inneres.)

Diese Frau faszinierte ihn. Mit ihren zwei Gesichtern wirkte sie sehr geheimnisvoll. Wenn sie sich beobachtet fühlte, wirkte sie so beherrscht und anmutig. Aber wenn sie für einen Moment vergaß, wo sie war, dann ließ sie einen direkt in ihre Seele blicken.

Alles in allem muss ich sagen, dass Nadines Geschichte wirklich interessant war und mich sehr zum Nachdenken angeregt hat, denn obwohl ich mich nicht mit allen ihren Entscheidungen anfreunden konnte, inspirierten mich gerade diese Punkte zur Analyse und Übertragung auf mein eigenes Leben. Ich konnte mich für eine lange Zeit nicht festlegen, in welche Richtung ich wollte, dass die Romanze sich entwickelt, und dankenswerterweise hat mir das Buch die Entscheidung nicht schon viel zu früh abgenommen. Das Ende kam dann aber leider, und wie häufig in dieser Art von Büchern, etwas schnell und detaillos. (Was mich besonders enttäuschte, denn ich hatte mehr erwartet, da die Datei erst zu 89% gelesen war.)

Bei ihm sahen Herausforderungen wie Kommunikation und Geselligkeit so einfach aus.

Bewertung

Idee: 4 Sterne
Charaktere: 3 Sterne
Umsetzung: 3 Sterne
Schreibstil: 3 Sterne
Allgemeine Bewertung: 4 Sterne
Persönliche Bewertung: 3 Sterne

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s