Endgültig von Andreas Pflüger (4,7 Sterne)

Sollte am Ende noch Zeit sein,
will ich mich nicht fragen,
warum ich sterben muss,
sondern wissen,
warum ich gelebt habe.

Ein Gewinn bei den goodreads Giveaways, der mich total begeistert hat. Vielen Dank dafür, ich war hin und weg!

Also, ehrlich gesagt, sind Thriller nicht das, was ich normalerweise lese. Aber ich probiere mich doch immer mal wieder gerne an etwas anderem, nur um zu sehen, ob ich meinen Geschmack ausweiten sollte. Dieses Buch lässt mich definitiv denken, dass ich sollte. Das Buch war einfach nur toll. Es war super recherchiert, wirklich, wirklich, richtig super. Die Idee war originell, aber ging trotzdem mit der Zeit und die Umsetzung hatte viel mehr Überraschungen, als Vorhersehbares. Das Buch, des Weiteren, hatte mitreißende, tiefgreifende, berührende, schockierende, überraschende, unglaubliche Charaktere. Und der Schreibstil, der war so gut, dass er schon zu gut war und mich dermaßen überwältigt hat, dass ich manchmal nicht mitgekommen bin.

Notiz: „Der Erzählstil. Gänsehaut.“

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, das Buch war so voll. Am liebsten würde ich alles ansprechen, analysieren, loben und ein bisschen kritisieren. Aber ich werde es allgemein halten, keine Spoiler. Was mir besonders gefallen hat, ist die Tatsache, dass mich das Buch von vorne bis hinten überraschen und schockieren konnte. Viele der Wendungen habe ich nicht kommen sehen, ich war überrascht darüber, wie Einzelteile am Ende zusammengepasst haben, und welche Motive all die Charaktere für ihr Handeln hatten. Eigentlich gab es nur einmal einen Moment, wo ich sofort wusste, wie es weitergehen würde und an einer anderen Stelle hatte ich eine Ahnung, die ich mir allerdings selbst nicht glauben wollte und die aber bestätigt wurde. Am Ende konnte ich also sagen, dass das meiste rund war und nur das wenigste „zufällig“ oder „zu einfach“ funktionierte.

Jenny Aaron war natürlich der am besten ausgearbeitete Charakter. Ich mochte die Art, wie ihr Charakter vorgestellt und erweitert wurde. Sie teilte es sich mit den anderen Charakteren, immer wieder in die Vergangenheit zurück zu fallen – und das selbst in den angespanntesten Situationen, um den Hintergrund einer Situation, die Verbindung zwischen den Charakteren, oder die Handlungen zu erklären –, aber ihr eigenes waren ihr Glauben, die Rolle ihres Vaters vor und nach der Blindheit und, besonders, die Zehnerlisten. Leider verloren die Letzteren sich dann ein bisschen und als die nächste auftauchte, war ich überrascht. Allerdings muss ich sagen, dass dies eine gute, inspirierte Art ist, dem Leser einen Charakter näher zu bringen. Immer zehn Dinge zu erfinden, die den Charakter ausmachen, stelle ich mir anstrengend vor, aber es gibt dem Charakter eine unglaubliche Tiefe.
Alles in allem wird klar, dass die Charaktere toll waren? Gut!

Sie mag seine Stimme nicht. Es ist etwas Falsches daran, wie an einem Lächeln bei einer Beleidigung oder einem blasierten Mund, der schlechte Zähne verbirgt.

Die Darstellung von Jennys Blindheit hat mich in meinen Alltag verfolgt. Ich habe die Beschreibungen aufgesogen, angezweifelt, bewundert. Bei einem Spaziergang auf einem nassen Sandweg habe ich zu meiner Begleitung gesagt, dass das für eine blinde Person der Horror sein müsste, die Geräusche, die unsere Schuhe machen. Nach dem nächsten Lesen habe ich mich auf ein Bein gestellt, die Augen geschlossen, um zu überprüfen, wie lange ich das Gleichgewicht halten kann. Aber Aarons Talente gingen noch so viel weiter, und sie überstiegen meine Vorstellungskraft.

Jene, die etwas zu verbergen haben, fürchten sie, wenn sie erkennen, dass sie gar nicht blind ist.

Von ihr erwartet man hingegen, dass sie sieht, was den Sehenden verborgen bleibt, die Wahrheit erspürt, wie nur sie es kann.

Zwischen Worte tasten.
Das Verborgene erfühlen.
Dem Schall der Lügen lauschen.

Was mich wirklich sprachlos gemacht hat, war das Verständnis zwischen Aaron und Holm. Sie haben so viel übereinander gewusst, und Aaron konnte Dinge, die nebenbei passiert sind, später mit ihm in Verbindungen bringen. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie das funktionieren kann, aber andererseits glaube ich auch, dass es irgendwie geht.

Notiz: „Die Beobachtung. Das Detail. Die Tiefe. Der Hintergrund.“

Ich habe noch so viele mehr Notizen, zu Pavlik, zu Niko, zum Schreibstil (in Gesprächen), zur Abteilung, zum Samurai und Zen, zur Menschlichkeit und Unmenschlichkeit, zu Masken, zu Querverweisen und der Hölle, zum Tod, zum Schock, zu verwobener Schreibweise, zu Kettenrauchern, zu Verrat und Romantik. Aber das muss genug sein.

Alles in allem kann ich nur sagen, nachdem ich mir die Danksagungen durchgelesen habe, dass die (zwei?) geplanten Fortsetzungen wirklich große Schuhe zu füllen haben.

Das Vergebliche, das Undenkbare, das Endgültige liegt in ihrem nächsten Satz.

Bewertung

Idee: 5 Sterne
Charaktere: 5 Sterne
Umsetzung: 5 Sterne
Schreibstil: 4 Sterne
Allgemeine Bewertung: 5 Sterne
Persönliche Bewertung: 4 Sterne

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