Oceania – Weißer Horizont (Oceania #2) von Hélène Montardre (3,8 Sterne)

Spoiler-freier Kommentar

Es schüttelt mich immer noch, wenn ich an das Ende des ersten Bands denke. Als es geschah, konnte ich es nicht glauben, und dann von den Nachwirkungen erzählt zu bekommen, macht es zu grausamer Realität. Aber noch viel schlimmer ist es zu denken, dass die Geschehnisse nicht allzu weit hergeholt sind. Wir müssen uns unsere derzeitige Lage nur anschauen, und das ist einige Jahre nachdem das Buch geschrieben wurde, um zu sehen, dass wir nun nicht viel anders auf die Flüchtlinge reagieren.

Die ersten Entwicklungen in der ersten Unterteilung des Buchs haben mich sehr überrascht. Natürlich wusste man bisher kaum etwas über Flavias Familie, außer ihrem Großvater, aber dass sie nun noch größer wird, ist so überraschend, wie schön, wie ein bisschen zu viel. Aber natürlich ist es interessant, wie alle anderen auf Amalia reagieren. Ich hätte nicht anders reagiert. Durch Amalia verspricht das Geheimnis um die Familie Maurel noch viel interessanter, tiefgreifender und schwerwiegender zu werden.

Von dem Punkt an, zu dem wir zu Flavia zurückkehren, passiert sehr viel „bla“. Zwar ist das Buch nicht so dick, wie es vorgibt zu sein – zu große Schrift, zu kurze Kapitel, man verbringt mehr Zeit damit umzublättern als zu lesen – trotzdem ist die Zeit auf dem Schiff und der Reise über die Eislandschaft zu lange. Die Zeit zurück bei Onkel Jean und in der Forscherstation ist dagegen viel zu kurz. Hier hätte es mindestens ebenso viel zu erkunden geben sollen, wie auf den Reisen. Als ältere Leserin hätte ich mir zudem ein mehr zur Schau gestelltes Gefahrenrisiko gewünscht, das die Reisenden stets begleitet (z.B. von den Seeräubern habe ich mir richtig was erträumt). Damit will ich nicht sagen, dass ich nicht von jedem Wort gefesselt war, im Moment. Nur beim Nachdenken danach, wurde mir bewusst, dass es teilweise am gewissen Etwas gefehlt hat, und man manches noch hätte besser ausbauen können.

Das Buch hat etwas zu abrupt und doch an der perfekten Stelle geendet. Man will definitiv sofort weiterlesen – auch wenn man darauf eingestellt sein muss, dass, wie bisher, nichts so läuft wie geplant und allem ziemlich viel „bla“ in den Weg geraten wird.

Ich war von der schnellen Entwicklung der Klimaveränderung fasziniert. Ist das real? Weniger als ein Jahr um alles auf den Kopf zu stellen? Ist es für Menschen möglich, sich so schnell umzugewöhnen? Nicht nur was das Klima betrifft, sondern auch an den Rest der Menschheit, an den Rest der Welt, keinen Gedanken mehr zu verschwenden. Vermutlich, wenn man muss und wenn man nichts anderes mehr erfährt… Der Gedanke ist unvorstellbar real.

Außer den kurzen Kapiteln muss ich leider kritisieren, dass wir noch zu wenig über den Sinn des Buchs wissen, also über die Bedeutung des Buchtitels. Oceania wurde einmal im ersten Band erwähnt, und vielleicht zweimal im zweiten. Aber um was es sich auch nur annähernd handeln könnte, ist ungewiss. Während es mich in anderen Büchern aufregt, dass man zu viele Hinweise, aber zu wenige Antworten zum Hauptthema bekommt, stört es mich hier, wie wenig es erwähnt wird. Man muss schon wissen, über was man liest!

Des Weiteren, und das hat sich auch aus dem ersten Band übertragen, kommt die Erzählung manchmal durcheinander. Während Flavia schon viel weniger die Hauptperson ist, werden doch die meisten Kapitel aus ihrer Sicht erzählt. Wenn nicht, dann ist meist schon zum Beginn des Kapitels klar, dass sie nicht sprechen wird. Aber manchmal ändert sich die Sichtweise nur für einen Satz oder Absatz. Und das ist verwirrend und unregelmäßig – so wichtig oder vorausahnend diese Information in dem Moment auch sein könnte. Sie störte so, wie sie dargebracht wurde, den Lesefluss.

Und schließlich, es tut mir fast weh das zu schreiben, aber Flavia und Chris waren wirklich ein bisschen sehr schmalzig in der Periode ihrer Trennung. Ich konnte mich nicht freuen, wenn ein kursives Kapitel kam.

Zu guter Letzt möchte ich sagen, dass hier die interessanteste Auswahl an Charakteren vorgestellt wurde. Und ich meine nicht nur die menschlichen.

Bewertung

Idee: 4 Sterne
Charaktere: 4 Sterne
Umsetzung: 3 Sterne
Schreibstil: 4 Sterne
Allgemeine Bewertung: 4 Sterne
Persönliche Bewertung: 4 Sterne

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